Verbunden in Andacht und Gebet

Montag, 25. Mai 2020

HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.
Psalm 5,4
Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen für alle Heiligen.
Epheser 6,18

Diese Losungen greifen auf, was wir gerade die letzten Sonntage abends erlebt haben: auch wenn nur wenige sich einfinden, so ist es doch eine sehr intensive (und überhaupt nicht sinnlos erlebte) Zeit des Betens während der Taize-Andacht.

Wir sitzen da und singen und beten – weil es für uns stimmig ist. Und wenn andere hinzukommen, so ist das schön. Aber wir würden auch nur zu zweit da in der Kirche singen und beten. Für die anderen. Für euch.
(Nach Pfingsten – also außer Pfingstsonntag – wird es weitergehen. So lange, wie es für uns stimmt. )

Und so schließe ich mich dem Gebet meines großen Vorbildes an, dem ich vor vielen Jahren bei der Preisverleihung zum Predigtpreis persönlich begegnen durfte (auch wenn ihm der Preis nicht viel zu bedeuten schien) – Jörg Zink:

In dir sein, Gott, das ist alles, was ich suche.
Ich will nicht den Menschen entfliehen oder ihnen ausweichen.
Stellvertretend möchte ich schweigen und wachen
für die Schlaflosen, die Zerstreuten,
für die Leidenden um mich her.
Stellvertretend für alle,
die dich nicht finden.
In dir sein, Gott, das ist alles, was ich erbitte.

Amen

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Samstag nach Himmelfahrt

Die Abstände hier werden länger – aber ich verspreche, es wird nicht ganz verstummen. Aber ich gönne mir und meiner geschundenen Hand jetzt längere Pausen.

So war ich heut auch auf der Suche nach einem, der “für uns” die Texte schon geschrieben hatte:
Cees Nooteboom:

Eine andere Welt

„Nachdem ich ein Leben lang kein einziges Mal im Krankenhaus gewesen war, wurden es nun insgesamt drei Male, und als ich, ob geheilt oder nicht, wieder hinauskam, hatte sich die Stadt, wie ich sie kannte, vollkommen verändert, die grossen, breiten Münchener Strassen, plötzlich ohne Verkehr, sahen aus wie ein Film, der noch nicht begonnen hatte, ein Tram fuhr mit lediglich drei anscheinend steinalten maskierten Menschen dahin, und am leeren Bürgersteig sah ich ein Plakat, auf dem in grossen Buchstaben «Was ist das Jenseits?» stand“

auf dem Markt in Lindau wollte er wie gewohnt einkaufen gehen…. :

„Vor dem Fischhändler, zu dem ich immer als Erstes gehe, stand eine Schlange, ähnlich einem langen Satz, aus dem etliche Wörter herausgefallen sind. Da ich das Tempo des Fischhändlers kannte, beschloss ich, dann eben erst zu den Italienern zu gehen, wegen ihres Traminers und ihres aussergewöhnlichen Gorgonzolas.

Wie aber sollte ich dort hinkommen? Mitten durch die lange Schlange vor dem Fischstand, irgendwo zwischen den wartenden Nummern 7 und 8, doch als ich es versuchte, spürte ich die wilde Wut in den Augen der übrigen Wartenden, es schien, als wäre jeder mit einem Feldstecher bewaffnet und könnte damit die Geschwindigkeit der anderen messen.

Wenn es etwas gibt, was mir von dieser Pandemie in Erinnerung bleiben wird, dann der stille Krieg des Wartens, Vorwärtsschlurfens, der tödlichen Blicke. Irgendwann wird ein grosser Ballettmeister eine geniale Choreografie des Sich-zögernd-zueinander-Wagens entwerfen, des Mit-Blicken-den-Abstand-Messens, des verächtlichen Zurückweichens, vor allem die weiblichen Wölfe sind gute Beispiele für homo homini lupus, man bewegt sich auf sehr dünnem Eis und schleicht mit den erbeuteten Waren nach Hause, froh, wieder in seiner ruhigen Höhle angekommen zu sein.“

Cees Nooteboom beschreibt dies von Lindau am Bodensee…. mir ist das in Dresden bisher so nicht aufgefallen.. Sein Resumee:

„Wer denkt, die Welt werde jemals wieder so wie früher, der irrt.“

Ja, in den Köpfen bleibt die Erinnerung, hoffentlich aber auch die, dass ganz viel Gutes sich entwickeln und zeigen konnte, weil eben mal alles zum Stehen kam. Weil auch Stille plötzlich erfahrbar wurde. Weil jede mögliche Annäherung jetzt nicht als selbstverständlich hingenommen sondern dankbar bewußt wahrgenommen wird.

Und wenn von unserem Abstandsgebot übrig bleibt, dass man sich nicht einfach brachial zwischen Menschen in einer Warteschlange durchdrängelt (wie früher im Baumarkt gern mal erlebt – oft sogar mit unfreiwilligem Körperkontakt), sondern den Blickkontakt sucht und eine gemeinsame Lösung für dieses Platzproblem findet… wäre das ja nicht die schlechteste „Langzeitwirkung“.

Ich hoffe und wünsche für uns alle, dass wir jetzt, wo so langsam wieder “Normalität” einzieht, nicht vergessen, was wir an neuen Impulsen und AHA-Erlebnissen in dieser Zeit entdecken durften und diese mit hinüber retten.

Gott schenke uns die Weisheit, unser Leben so zu gestalten, dass es möglicherweise wirklich anders ist als vorher, aber vor allem: besser – dichter an ihm dran. Dichter an uns und unseren wahren Bedürfnissen.

Er segne unser Tun und Lassen!

(Zitate von Cees Nooteboom aus seinem Text in der heutigen Neuen Zürcher Zeitung:https://www.nzz.ch/feuilleton/cees-nooteboom-ueber-die-welt-zu-zeiten-von-corona-ld.1557285)

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Himmelfahrt, 21. Mai 2020

“Wir haben’s nicht so mit Himmelfahrt – wir stehen lieber mit beiden Beinen auf der Erde”….

Mit diesen Worten wurde mir erklärt, warum Himmelfahrt nicht so eine große Bedeutung in der reformierten Kirche habe.
Vielleicht eine Einzelmeinung. Vielleicht tatsächlich ein Unterschied zwischen reformiert und evangelisch?

Ich für mich jedenfalls finde die Himmelfahrt Jesu ein zentrales Element für meinen Glauben. Warum?
Weil erst mit der Himmelfahrt definitiv klar war: Ob und wie das hier weitergeht, hängt von mir und dir ab! Von den Jüngerinnen und Jüngern, von allen Gläubigen – und von ihrem Draht “nach oben”.

„Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe…“ (Johannes 16,5-7a).

Ja, es ist gut – denn sonst hätten sich alle drauf verlassen, dass Jesus es schon “reißen” wird – dass ER dafür sorgen wird, dass das Reich Gottes auf dieser Erde anbricht.

Kann er aber gar nicht allein. Wollte er offenbar auch gar nicht. Und unser Vater im Himmel war ganz offensichtlich auch der Meinung, dass sein Job auf Erden nun erstmal getan ist. Und es jetzt an den Menschen selber ist, was draus zu machen.
Er mutet uns ganz schön was zu…
Aber er traut uns auch was zu.

Jesus hat es vorgemacht: hat mit Zöllnern und Sündern zu Tische gesessen, Wunder vollbracht, schreckliche Krankheiten geheilt, sich mit dem Establishment angelegt, Freunde gefunden und jede Menge Feinde auch…. Und ganz nebenbei ein “normales” Menschenleben mit allen erdenklichen Höhen und Tiefen durchlebt.

Und jetzt? Jetzt ist es wieder unser Ding. Nur mit dem Unterschied, dass wir vorgeführt bekommen haben: So kanns gehen! So wird es gehen!

Dass die Jünger damals nicht sonderlich erfreut waren, kann man sich vorstellen. Wer wird schon gern vor die Tür gesetzt: Los, jetzt bist du groß, geh los! Sie zu, mach dein eigenes Ding….

Nein, dass Jesus sich einfach davon gemacht hat in Richtung Himmel bedeutet eindeutig Einbuße der Komfortzone für seine Jünger. Und auch für uns.

Aber es hat ja auch was, wenn man merkt: Der traut mir das zu. Ich kann das selber. Ich schaff das!

Klar, wir stehen mit beiden Beinen auf der Erde. Aber hej! Jesus hat sich nicht in Luft aufgelöst – er sitzt zur Rechten Gottes, er ist immer noch da. Gott ist immer noch da! Nur eben nicht mehr greifbar wie für den ungläubigen Thomas.
Himmelfahrt heißt Erwachsen werden. Als Gläubige mit beiden Beinen auf der Erde fest zu stehen und trotzdem den Draht zum/in den Himmel zu haben.

Also, wenn ihr mich fragt: ein besseres Datum gibts gar nicht für einen Christen, um sich grade das “auf der Erde stehen” klar zu machen und auch zu feiern.

Jetzt sind wir Groß! Wir können als Gläubige auch eine Menge selbständig bewerkstelligen und SELBER am Himmelreich auf Erden bauen.
Ist doch super, oder? Mich macht das stolz – und dankbar, dass Gott so viel Vertrauen in uns hat!

In diesem Sinne: einen herrlich irdisch-himmlischen Himmelfahrtstag euch allen!

Eure Manja Pietzcker

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Mittwoch, 20. Mai 2020

Petrus schreibt: Christus wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überliess seine Sache dem gerechten Richter.
1 Petr 2,19-25

Wie du mir, so ich dir….
Auge um Auge, Zahn um Zahn….

Aber mit Jesus sollte das aufhören. Er hat es seinen Jüngern mehrfach versucht, klar zu machen. Als sie in einem Dorf unfreundlich empfangen wurden und wütend die Rache Gottes auf das Dorf herabbeschwören wollten, hat Jesus sie ausgebremst und meinte, wenn einem sowas passiert, solle man den Staub von den Füßen schütteln und eben woanders anklopfen.

Trotzdem ist das noch immer eine schwierige Sache… wir sind eben doch nur Menschen… und manchmal brennt dann eben die Emotion mit uns durch…
Auch Jesus war da nicht ganz frei von Fehlern… der Baum, der ihm keine Früchte gegen seinen Hunger bieten konnte… verdorrte, weil Jesus sich so drüber geärgert hat… Tss-tss-tss

Aber so wenig, wie ich mir anmaßen kann, über Jesu “Verfehlung” zu urteilen, steht es mir zu, über andere und deren Verfehlungen zu befinden.

Es ist die Sache Gottes, darüber zu rechten. Denn was Recht und Unrecht ist… wissen wir nur bruchstückhaft. Wir urteilen aus unserem kleinen beschränkten Horizont heraus, ohne ALLE Hintergründe (die Umstände, die Beweggründe… des Gegenüber) zu kennen.

Ich hoffe und bete, dass uns das – gerade auch, wenn wir uns ärgern -immer wieder einfällt und vielleicht dann Jesus beruhigend die Hand auf die Schulter legt und sagt: Stop! Lass’ mal gut sein! Schüttle den Staub von den Füßen. Beim nächsten Mal, in einem anderen Dorf.. in einem anderen Moment, kann es auch wieder anders sein!

Dann ist das Zusammenleben friedlicher, und mit etwas Abstand ist Kritik auch weniger verletzend zu formulieren.

Ich wünsche Ihnen und mir heute einen friedlichen, barmherzigen und dadurch hellen Tag!

Bleiben Sie behütet! Gott segne sie!

Ihre Manja Pietzcker

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Dienstag, 19. Mai 2020

Gestern Abend habe ich herzlich gelacht.
Wegen einer ursächsischen Wortschöpfung.
Es ging um des Deutschen momentan liebstes Streitobjekt:
dr Guschenpulli

Ehrlich – man kann ja unterschiedlicher Meinung sein, ob und wo und wie man sowas trägt… tragen muss… aber diese Bezeichnung finde ich mal wieder typisch sächsisch gemütlich…
Da ist es doch gleich nicht mehr ganz ernst, dieser Streit, der auf den Straßen jetzt ausgetragen wird.

So ganz kann ich die Aufregung auch nicht verstehen.
Ja klar, es wäre schöner, ich könnte IMMER und ÜBERALL die Leute ganz sehen und nicht vermummt. Könnte an den Mundwinkeln sehen, ob sie gute oder schlechte Laune haben.

Aber die wissenschaftliche Evidenz spricht doch aus meiner Sicht dafür, dass sie etwas helfen KÖNNTEN, diese „Guschenpullis“…

Auch wenn da meiner zweiter Lacher des Tages herkam: Man konnte in einem Experiment mit Hamstern zeigen, dass OP-Masken das Ansteckungsrisiko signifikant (also in sinnvoll messbarer Ausprägung) verringern.
Wie, um Himmels Willen, haben die die Hamster dazu bekommen, Guschenpullis zu tragen?! Wo doch schon die Krone der Schöpfung damit so ihre Schwierigkeiten hat!
Vermutlich, so habe ich dann überlegt, wurden die armen Hamster schlicht in einem Käfig durch solche OP-Masken voneinander getrennt…. (in ihrer Freiheit eingeschränkt!)
Jedenfalls hats geholfen, auch wenn die Hamster es vermutlich weder verstanden haben noch beglückend fanden. Die Wege des Herrn sind unergründlich… Hamster!

Mir jedenfalls bricht kein Zacken aus der Schöpfungskrone, wenn ich das Ding aufsetze. Und “Guschenpulli”… mit Augenzwinkern… wird wohl in meinem Wortschatz Einzug halten.

Ihnen heute einen fröhlichen, humorvollen Tag – mit oder ohne „Guschenpulli“ 😉
Ich bin mir sicher: Gott lacht!

Ihre
Manja Pietzcker

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Montag,18. Mai 2020

Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen,
zündet Opfer an, denn der Geist der Gnaden
hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn!
Nehmt ihn ein, so wird sein Schein
euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen.
(EG 135,1)

Auch wenn heut morgen der Ärger überwiegt… viel (auch nervige ) Arbeit, doch kein freier Tag.. und die telefonisch zugesagte Urlaubsdestination in Mecklenburg entpuppt sich als wankelmütig und schickt eine Absage per Mail…. trotzdem ……

Draußen zeigt sich der Mai von der besten Seite.
Die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut erinnern an das warme Licht der gestrigen Andacht abends in der Kirche. Wir waren nur wenige, aber doch waren es dichte, warme Momente. Sie haben mich die ganze Nacht begleitet – und die Sonne hat sie mir grad wieder ins Gedächtnis gerufen.

Davon lebe ich – vom Geist Gottes, der mein Leben immer wieder neu zu durchdringen weiß – nicht von Urlaubsplanung, harmonischen Arbeitsabläufen, freien Tagen.. auch wenn das nett wäre….

Wichtig ist:
Jesus spricht: Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Johannes 14,26

Mögen auch Sie heute vom Gottes Geist begleitet und immer wieder auf den rechten Blickwinkel aufs Leben hingewiesen werden!

Ihre
Manja Pietzcker

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Sonntag Rogate
(Predigt des heutigen Sonntags):

Predigttext Mt 6, 5-15

[Und] wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
10 Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

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“Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist”

Jesus beschreibt die Ideal-Situation des Gebetes. Er weist darauf hin, dass das Gebet nicht dazu dient, seine Frömmigkeit in irgendeiner Weise darzustellen.
Im Gegenteil: Gott sieht in das Verborgene, darum soll das Gebet auch im Verborgenen verrichtet werden.
dein Vater … wird dir’s vergelten. Erwarten würde man vielleicht eher: dein Vater … wird’s erhören. Aber Jesus stellt dem Beten im Verborgenen das Beten an den Straßenecken und in den Synagogen direkt gegenüber, wo ich mir eben die Anerkennung der Menschen hole, also von ihnen die “Vergeltung” für das Gebet bekomme. Gott “belohnt” sozusagen das Gebet mit Anerkennung, WENN es im Verborgenen vollzogen wird.

Gott lässt sich nicht durch die Schönheit deiner Worte beeindrucken—, Es kommt überhaupt nicht auf die Worte an, sondern auf deine innere Haltung …. wie ernst du es meinst.

Ob du nun eine Stunde lang betest mit den ausgefeiltesten Worten, oder nur 30 Sekunden stammelst – beides hat vor Gott die gleichen Chancen.

Das Gebet drückt die Sehnsucht in jedem Menschen aus. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott… aus der Tiefe unseres Herzens… aus dem Brennen in uns… kommen Worte, manchmal auch nur eine Melodie, einzelne Töne, ein Seufzen….
Um mit Gott in den Dialog zu treten, braucht es keine großen Worte.. es braucht auch keine ausgefeilte Liturgie… Wenn unsre Gottesdienste in wundervollen Kantaten und ausgefeilter Liturgie schwelgen, so ist das schön und wir genießen die Ästhetik..
Für das Zwiegespräch mit Gott braucht es das alles nicht!

Im Gegenteil: Die Gefahr bei unserer schmuckvollen Ausgestaltung von Gottesdiensten ist gerade, dass hinter all der Kunst das Eigentliche nicht mehr gesehen wird. Dass vor lauter Perfektionismus gar kein Patz mehr für das ehrliche, von Herzen kommende Seufzen vor Gott ist.

Oder Platz für das schlichte Schweigen – und Lauschen. Denn der Dialog mit Gott ist ja keine Einbahnstraße… keine Dauerbeschallung in Gottes Ohr … Das Gebet funktioniert im Idealfall in beide Richtungen – ich höre hinein in die Stille, in den Raum und die Zeit und lasse mir von Gott Einsichten schenken… Wenn ich da die ganze Zeit plappere oder Getöse veranstalte, wirds schwierig, Gottes mögliche Antwort überhaupt mitzubekommen…

Und es braucht für mein Gebet keine Zeugen.

Was ich mit Gott zu verhandeln habe, geht nur ihn und mich etwas an.
Es können sich daraus Folgen ergeben – dass ich losgehe und jemanden konkret um Vergebung bitte. Dass ich jemanden besuche, dessen Bild Gott mir ins Herz gesetzt hat. Den er mir ans Herz gelegt hat.
Aber das eigentliche Gebet braucht die Öffentlichkeit nicht. Es braucht keine Zeugen wie bei einer Gerichtsverhandlung. Wohl aber braucht es Schutz.
Und die kann ich in einer Kirche finden. Darum ist die pauschale Aburteilung Jesu gegen die Beter in der Synagoge dann doch auch etwas irritierend. Klar – im stillen Kämmerlein ist der Dialog am ungestörtesten und auch am wenigsten verdächtig.
Wenn jemand in aller Öffentlich keit in einer Kirche zum Gebet niederkniet, kann immer die Frage aufkommen: Tut er das, um sich sehen zu lassen, oder weil die Ausstrahlung des Raumes ihn dazu veranlasst, sich vor dem Schöpfer zu verneigen und ins Gebet zu versinken?

Gerade heutzutage braucht es wohl großen Überwindung, sich öffentlich dem Gebet hinzugeben, denn wer fromm ist, ist nach allgemeinem Urteil wohl mindestens etwas wunderlich. Genau deshalb gibt es ja, so denke ich, die dicken Kirchenmauern: als Schutz für mich selbst – hier darf ich beten, hier gehört es hin. Wichtig ist und bleibt, was ich im Schilde führe – wozu ich die Knie beuge. Um Gott näher zu sein, mich freizumachen von eigenen Machtbestrebungen, um mich zu öffnen für die Größe Gottes…?! oder um vor den anderen als frommer Mensch zu gelten, dessen gottesfürchtiger Weg bewundert wird?!

Jesus versucht, zu vermitteln, dass das Gebet eine intime Angelegenheit zwischen Gott und dem Menschen ist.

Dennoch gibt es auch das allgemeine, für alle nachvollziehbare Gebet. Jesus stellt das “Vaterunser” als Urform für alle Gebete vor. Es kann alleine, aber auch gemeinsam gesprochen werden. Es enthält alles Notwendige, ohne jeglichen unnötigen Schnörkel (Vers13b „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.„ wurde nachträglich eingefügt).

Das Urgebet bietet dir ein Geländer, wenn du vergeblich nach Worten suchst,
wenn du den Anknüpfungspunkt ans Gespräch mit Gott nicht oder nicht mehr findest…

Wenn du keine eigenen Worte hast, nicht weißt, wie und wo du anfangen sollst, können diese Worte tragen.

Und es ist ein öffentliches Gebet, das den anderen nicht zum Zeugen, sonderm zum Verbündeten hat. Bei all unseren individuellen Schmerzen, Wünschen, auch Dankbarkeiten, bei aller Unterschiedlichkeit, stehen wir doch als EINE Gemeinde vor Gott. Und diese Gemeinschaft trägt… gerade auch über das Vater UNSER

Beides hat seine Berechtigung: das intime, ungeplante, vielleicht gemurmelte, geflüsterte – oder auch hinausgeschrien Gebet und auch das auf das Wesentliche beschränkte, vorgefertigte Gebet – allein oder gemeinsam.

Was auch immer geschieht – die Worte des Vaterunser können Brücke sein, Strohhalm im Strudel der Ereignisse, Rettungsanker in stürmischen Zeiten, Trost und Zuspruch im unerträglichen Schweigen, Vergewisserung über alles Trennende hinweg.

Wie auch immer ihr euch an Gott wendet.
Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Amen

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16. Mai 2020

Ihr Wölfe, kommt und lasst uns gehn. Ihr Wölfe schließt den Kreis! Bald werden wir uns wiedersehn zu Gottes Lob und Preis!

So ein schöner Tag! Wuselnde kleine Pfadfinder (netterweise von den Eltern gehütet, so dass es sehr entspannt für mich war)… Und alle haben sich wieder von der Ralley zurück gefunden – die perfekt vorbereitet worden war von einer der Pfadi-Familien (DANKE Blanka!). Alle haben die Aufgaben gemeistert (ok, ob nun 8 oder 9 Laternen…. manches ist eben auch Interpretationsspielraum 😉 ).
Und am Feuer wurde auch fast immer 1,5 m Abstand eingehalten…. Wenn alle die Arme seitlich ausstrecken und sich drehn, darf sich niemand berühren… eine sehr einfache und sehr lustige Übung….
Sollte man mal im Supermarkt machen….

Am besten (neben dem Lagerfeuer natürlich) war aber, unsre Kirche mal in der Funktion zu erleben, für die sie ja nach der Wiederherstellung nach den Kriegsschäden eingerichtet wurde. Vor einem richtigen Aufnahmemikro stehen… und sich hinterher selbst hören – allein und mit der restlichen Gruppe….

Auch wenn wir sehr auf den Abstand geachtet haben, haben durch diese Tonaufnahmen letztlich doch alle im Chor unser Wölflingsschlusslied gesungen und sind stolz und beglückt nach Hause gezogen. Wölfe, Luchse, Polarfüchse (so nennen sich die Gruppen der Pfadfinder)… sind wieder unterwegs… sind “auf Jagd”… Und zwar gemeinsam.

Ich bin so dankbar für diesen Tag! Für diese fröhlichen Menschenkinder – groß und klein. Und für Gottes Zuwendung, die ich in all dem erlebe!

Der Himmel wölbt sich übers Land, Gut Jagd, Auf Wiedersehn!
Wir ruhen all in Gottes Hand! Gut Jagd, Auf Wiedersehn!

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Freitag, 15.5.2020

VIELLEICHT – Möglicherweise – unter Umständen – so Gott will….

viele Formulierungen für die Planungsunsicherheit, mit der wir uns momentan tagtäglich rumschlagen… vom Familienbesuch zum runden Geburstag über den kaum planbaren (aber zwingend zu buchenden, weil platzbegrenzten) Urlaub im diesjährig so beliebten Mecklenburg bis hin zu den Festen und Höhepunkten unseres Gemeindelebens…

VIEL LEICHT

es ist VIELES möglich – nichts ist festgeklopft, nichts in Stein gemeißelt….
man kann es nur LEICHT nehmen und eben schauen, was der nächste Tag, die nächste Woche… der Sommer wohl bringen mag

eine ganz neue Art, das Leben zu gestalten… Sieh die Vögel… sie säen nicht, sie ernten nicht… und doch ernährt sie Gott…

Natürlich braucht es Planung (und unter Vorbehalt muss man einen Urlaub reservieren oder buchen…) – aber mehr als uns sonst bewusst ist, haben wir nicht in der Hand, wie die Zukunft aussehen wird…

Das kann man nur LEICHT nehmen.. und sich freuen, wenn etwas Erträumtes möglich ist.. So Gott will, wird es ein schöner Sommer mit VIELEN Möglichkeiten

Bleiben auch Sie heute zuversichtlich
und LEICHTfüßig im Herzen,
dann kann Ihnen VIELES geschenkt werden!

Ihre Manja Pietzcker

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Mittwoch, 13.5.2020

Heute nur ganz kurz zwischen heißem Emailverkehr, einem Minetestserver mit Psalm 23 und einer wilden Horde Konfis, die Steine klopfen, um damit die Lukaskirche nachzubauen (virtuell natürlich, aber mit umso mehr Engagement):

Was ist ein “eingeschränkter Regelbetrieb”…..

Das frage ich mich seit Tagen und schau dabei immer auf meine im Verband steckende rechte Hand, die sich notorisch weigert, einfach mal eben so wieder gesund zu sein….

Es schränkt ein… und doch soll alles normal, im “Regelbetrieb” funktionieren.

Ich schaue wieder meine Hand an, merke wie es beim Tippen weh tut und bete zu Gott, dass sich ab Montag das Leben in unserer Kita NICHT SO anfühlen möge.

Dass es für Kinder und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gelingen möge, was das Team sich ausgedacht hat…
Zwischen allen Einschränkungen trotzdem “Normalität” zu leben.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenheims nebenan sind bestimmt froh… wenn wir wieder Leben in der Bude haben… auch wenn nun wieder häufiger der Fußball über die Mauer fliegen wird.

Drum schicke ich heut zwar einen Segenswunsch in alle Himmelsrichtungen, denn ich weiß mich verbunden mit euch in Nordwest, Südwest, Nord… und einmal rings im Kreis hier in der Nähe in Dresden.
Und bitte euch: Betet mit!

Eure Manja Pietzcker

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Dienstag, 12. Mai 2020

Paulus schreibt: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei.
Philipper 1,9-10

Was ist das Beste… was ist richtig oder falsch…. was ist gut, was ist schlecht….

Sehr oft fällt mir diese Kategorisierung, diese Entscheidung schwer. Denn das Leben ist nicht schwarz-weiß. Fast immer, so scheint es mir, wandern wir zwischen unterschiedlich hellen oder dunklen Grautönen umher.

Je nach Situation, je nach betroffener Person… ja mitunter je nach Jahreszeit oder Tageszeit… kann die gleiche Entscheidung eher heller oder eher dunkler ausfallen im Endergebnis.

Und doch sind wir in unserer Existenz ununterbrochen gefordert, uns zu entscheiden. Es geht gleich früh am Morgen los: Aufstehen oder liegenbleiben? Mein Sohn hat da fast immer eine andere Antwort als ich. Aber auch seine Entscheidung hat Gründe, hat seine guten Seiten….

Und es ist eben so: auch liegenzubleiben IST EINE ENTSCHEIDUNG

Unser Leben besteht aus Tun und Lassen. Immer mit der Unsicherheit behaftet, dass die letztlich festgestellte Grauschattierung vorher oft nicht klar ist.

Wer sich nicht entscheiden will, lebt nicht mehr.
Gut, dass Gott barmherzig auf unser unsicheres Tasten schaut. Und – so hab ich es inzwischen häufig erlebt – auch hier und da etwas mehr Licht hinzufügt, als ich der Entscheidung zugetraut hätte…. Gerade eine eher unglückliche Entscheidung, die aus Liebe geschah, mit dem Blick auf den anderen, birgt mitunter die Überraschung, dann doch gar nicht so schlecht gewesen zu sein.

In diesem Sinne schließe ich mich dem Gebet von Peter Dyckhoff aus vollstem Herzen an:
Herr,
schenke mir himmlische Weisheit,
die mir einleuchtet
und die mich lehrt,
dich zu suchen und zu finden.
Schenke mir Einsicht in menschliches Verhalten,
sodass ich gerecht handeln kann.
Nur durch deine Weisheit, Herr,
vermag ich auf dem begonnenen Weg
sicher fortzuschreiten.

Gott segne Sie – und alle Entscheidungen, die Sie heute treffen!

Ihre Manja Pietzcker
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Montag, 11. Mai 2020

Nach einem Muttertag voller Aufregung, aber auch Freude… und ganz ohne Arbeit am Computer….heute nun wieder ein kleiner Gruß.

Endlich regnet es.
Als es nachmittags anfing, konnte man den feucht werdenden Staub auf der Straße und in der Luft riechen… Ein verheißungsvoller Geruch nach lebensspendendem, reinigendem Wasser.
Vom Himmel.
Irgendwie eine besondere, eine fast heilige Freude.
Endlich regnet es.

Dass es dazu nun auch noch eisheilig kalt wird, hätte es zwar für mich nicht gebraucht… Zum Glück sind diese Heiligen keine, die es lange bei uns aushalten.

Als wir gestern Abend aus der Kirche traten in den tropischen Regenwald-Dampf, kam ich mir schon etwas surreal vor. Aber eigentlich war es ein hoffnungsvolles Gefühl – schließlich sprießt, wächst, ja wuchert der Regenwald bekanntermaßen.

Wie im Ps 65:
Du suchst das Land heim und bewässerst es /
und machst es sehr reich;
Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle.
Du lässt ihr Getreide gut geraten; denn so baust du das Land.
Du tränkst seine Furchen und feuchtest seine Schollen;
mit Regen machst du es weich und segnest sein Gewächs.
Du krönst das Jahr mit deinem Gut,
und deine Spuren triefen von Segen.

Gottes Spuren triefen von Segen – wie die Bäume und Sträucher. Überall begegnet uns heute Gottes Segen.
Man kann ihn gerade spüren, wenn er auf das Gesicht sprüht, aus der Pfütze spritzt… als Dampf wie ein göttliche Wolke alles einhüllt.. und riechen kannst du ihn auch… Besonders nach einer längeren Trockenheit.

Gepriesen sei Gottes Segen.

Amen

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Sonnabend, 9. Mai 2020

Fliegen können….
wie ein Adler…
davon erzählt ein Lied, dessen restlich Verse mir entfallen sind.
Aber das Bild taucht immer wieder auf.

So ein Adler ist zwischen allem unterwegs… nicht mit der Erde verwachsen wie ein Baum
und doch ebenso majestätisch
Nicht so federleicht wie ein Schmetterling – und doch dem Himmel ebenso nah

ein uralter Traum – zu fliegen…
sich loszulösen von dem, was uns an die Erde bindet
was uns festhält, einengt

Sich hinaufschwingen in Richtung Himmel, in Richtung Gottes
und einfach nur FREI zu sein

Frei von allen Zwängen, allen Ängsten und Sorgen
Über den Wolken… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

alles, was uns groß und wichtig erschien… wäre nichtig und klein

Ein Traum nur.. sicher… aber eine tiefe Wahrheit: frei sind wir nur wirklich, wenn wir uns von all dem “Wenn und Aber” abheben…
wenn nichts zählt als die Stimme unseres Herzens, wenn unsere Seele singen und sich zu Gott hinaufschwingen darf…

Jedesmal, wenn du einen Adler am Himmel schweben siehst,
erlaube deiner Seele, ihm ein Weilchen Gesellschaft zu leisten da oben.

In diesem Moment, vielleicht nur für diesen Moment,
wirst du dich leicht fühlen… so leicht, als könntest du fliegen.

Weil deine Seele schon weiß, wie Freiheit geht.
Glaube ihr – und glaube deiner Sehnsucht. Deinem Traum.

Gott hat ihn dir geschenkt. Denn von ihm ist ja deine Seele.

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Für Freitag, 8. Mai 2020

Gestern bekam ich eine Reaktion auf die letzten beiden Tage… Und eine Inspiration…. Judi Dench…
Noch nie gehört? Ich vorher auch nicht – obwohl ich sie schon gesehen habe, nämlich im James-Bond-Film.
Judi Dench ist 85 Jahre jung und damit die mit Abstand “älteste” Dame, die je auf einem Vogue-Cover abgebildet wurde.
Altern interessiere sie nicht, sagte sie im Interview… Und ich wurde neugierig. Wer ist das, woher nimmt sie diese Energie?

Judi ist tiefgläubig, auch wenn sie nicht regelmäßig und publikumswirksam in die Kirche geht.
Sie sagt von ihrem Glauben:
“It informs everything I do, but I don’t flaunt it.”
“Es durchdringt alles, was ich tue, aber ich stelle es nicht zur Schau.”

Offenbar hält dieser Glaube, angebunden an die alten Traditionen der Quäker, nicht nur bescheiden, sondern auch jung.

Manchmal wird man ja gefragt, ob man ein Vorbild hat. Ich denke, Judi könnte eines sein.

Bleiben auch Sie heute voller Zuversicht und Energie – unabhängig vom “Alter”.

Für Donnerstag, 7. Mai 2020

Rezept von Mascha Kaléko:

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

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Mittwoch, 6. Mai 2020

Wieviel kann ein Mensch aushalten?
Wieviele Anforderungen gleichzeitig?
Wieviel Sorge, wieviel Angst?
Wieviel Einsamkeit?

Ich weiß es nicht. Ich sehe nur, dass viele an ihren Grenzen sind.

Und ich denke – das ist nicht gut! Wo ist die große Bremswirkung hin? Ist sie verpufft? Ist sie ins Gegenteil umgeschlagen? Hat Stillstand vielleicht auch eher mehr Sorge, mehr Angst, mehr Einsamkeit erzeugt, als uns gut tut?

Ruhig werden heißt nicht, zu erstarren.
Stille zu werden heißt nicht, sich abzuschotten.

Und Bewegung heißt nicht, mit dem Kopf durch die Wand. Heißt nicht, immer höher, schneller weiter (nur halt anders…)

Unser Leben ist wie ein Pendel – hin und her… hoch und runter…

Ein Pendel schwingt gleichmäßig hin und her. Es hat die größte Energie unten, da, wo es regelmäßig und erwartbar vorbei kommt. Darauf kann ich mich verlassen…. es wird kommen, es wird mit Energie kommen. Ich könnte aufspringen, mich mitreißen lassen. Mich darauf wie auf einer Schaukel aus Kindertagen tragen lassen…

So ein Pendel hat aber auch Umkehrpunkte. An denen steht es still… meist kurz nur… aber uns kommt es gelegentlich endlos vor.
Hier ändert sich die Richtung. Hier passiert etwas Neues. Hier nimmt es dann auch wieder langsam aber stetig Fahrt auf. Holt Anlauf – nimmt mit, trägt und treibt voran – bis zum nächsten Wendepunkt.
Kein Schwung, kein Stillstand dauert ewig. Und das Eine gibt es nicht ohne das Andere.

Und weil das Leben nun mal so ist… kann ich mich vielleicht darüber ärgern… aber ich werde es nicht ändern…
Ich kann es nur registrieren und mich damit arrangieren… Und vielleicht sogar etwas Gutes darin entdecken.
Ich muss weder ständig in Bewegung sein, noch muss ich Stillstand auf Dauer ertragen.

Gott sein Dank – unser Leben ist wie ein Pendel und es gibt beides für mich!

Ich wünsche Ihnen heute, je nachdem, wo sie grad stehen:
gehaltvolle Zeiten des Innehaltens
und auch
das kraftvolle Schwungholen oder sich beschwingt fühlen für die nächste Aktion.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Manja Pietzcker

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Dienstag, 5. Mai 2020

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.
Kolosser 1,15-16

Das ist für mich die griffigste Erklärung, wer Jesus Christus für uns ist.
Die “Selbstauslegung Gottes”…
Weil Gott der Unsichtbare, Unnahbare, Unbegreifliche… ist.
Weil wir Menschen es aber eben nicht nur blind glauben können, sondern es anfassen, sehen, berühren… eben be-greifen müssen, damit unser Herz dem Kopf folgen kann.

Jesus steht als Mensch, als jemand wie du und ich, vor uns. Und zeigt, wie Gott von uns denkt, was er für uns möchte. Was er von uns will.

Das verstehe ich. Das kann ich be-greifen.

Auch wenn Jesus Thomas in gewisser Weise dafür rügt, dass der es eben erst kapiert, als er ihm handgreiflich nahe kommen durfte…

Vielleicht ist diese Geschichte aber auch schon wieder Entlastung für uns, die wir Jesus wiederum nur aus Erzählungen kennen: selig sind die, die nicht sehen und doch glauben…

Aber Jesus weiß um unsere Schwäche, Gott weiß, dass es uns schwerfällt, einfach so zu glauben. Drum haben wir zumindest die überlieferten Erzählungen – die zum Teil ganz und gar menschlichen und damit menschenverständlichen Begebenheiten mit Jesus.

Jesus ist das sichtbare Ebenbild des unsichtbaren Gottes.
Dafür bin ich dankbar.

Gott segne uns und diesen Tag!

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Montag, 4. Mai 2020

Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
Psalm 107,3.8

Zusammenkommen… aus allen Himmelsrichtungen… wie sehr sehnen wir uns danach.

Gerade wurde das “Drei-Länder-Lager” der Pfadfinder abgesagt. Ob und wie es verkleinerte regionale Treffen gibt, ist noch unklar. Wir planen jetzt Gruppentreffen, die als “walk-in” oder “to go” funktionieren können, damit Gemeinschaft eben trotzdem irgendwie wenigstens ansatzweise erlebbar ist. Denn der Mensch ist ein geselliges Wesen. Als Eremit können die wenigsten von uns existieren.

Von überall her zusammenströmen – und gemeinsam Gott danken für all das Gute und Schöne, das er uns geschenkt hat und jeden Tag schenkt…. Davon träumen wir gemeinsam, danach sehnen wir uns. Und das wird, mit kreativen Lösungen, auch bald wieder möglich.

Wobei auch die Einladungsliste für Gottesdienstes und Andachten etwas hat! Noch nie vorher konnte ich ALLE Besucher namentlich begrüßen, Ihnen vielleicht sogar etwas Personalisiertes mit geben. Vielleicht ist das manchem fast zu viel … und er wäre froh, die Anonymität eines großen Gottesdienstes würde schützend die Decke über ihm breiten. Von meiner Seite kann ich nur sagen: mir tut es gut, zu wissen, für wen ich die Andacht vorbereite, mit wem ich in einem Raum gemeinsam bete… Es gibt noch einmal ein anderes Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Und genau darauf basiert auch die Gemeinschaft der Pfadfinder… das ist selbst auf großen Lagern keine anonyme Masse… jeder ist fest eingebunden in seine Gruppe, seinen Stamm, seinen Landesverband… ich weiß, wo ich herkomme, wo ich hingehöre. Und der andere weiß es auch. Auch ohne viele Worte fühlen wir uns gehalten und getragen, weil die Bezüge klar sind. Weil die Mitte klar ist, zu der ich immer wieder komme. Egal, wo ich mich tagsüber im Wald und Feld rumgetrieben habe. Abends komme ich “nach Hause”

Wie im Lied:
(1) Von überall sind wir gekommen, im Lagergrund steht Zelt an Zelt,
und habt ihr unsern Ruf vernommen, so tragt ihn raus in alle Welt!

Ref.:
Über uns ein Regenbogen, zeigt uns den Weg in seinem Licht,
die Wolken sind schon fortgezogen, verwehren uns die Sonne nicht.

(2) Aus Süden, Osten, West und Norden, sind wir vereint zum großen Spiel,
denn weit ist unser Kreis geworden und nur in ihm liegt unser Ziel.

Gemeinschaft erleben heißt, sie kreativ mitzugestalten – jeder mit seinen Gaben und Möglichkeiten – mit der geteilten Idee von “hier bin ich zu Hause – hier gehöre ich hin”…

Ich genieße gerade, dass mehr Menschen diese Idee von Gemeinschaft teilen. Oder es zumindest intensiver erlebbar ist – weil Gemeinschaft gerade mehr Kreativität und Einsatz braucht, um sichtbar zu sein.

Ich hoffe und bete, dass wir uns das auch erhalten, wenn nächste Woche wieder Gottesdienste ohne Anmeldung (und damit in “Anonymität”) möglich sind und nach und nach das “normale” Leben wieder einsetzt.

Bleiben Sie behütet – vielleicht sehen Sie heute eine Regenbogen… Er berührt die Erde an einzelnen Punkten, aber er überspannt uns alle!

Ihre
Manja Pietzcker

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Sonntag, 3. Mai 2020

Wochenspruch (2. Kor 5,17): Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Alte Stunden, alte Tage,
lässt du zögernd nur zurück.
Wohl vertraut wie alte Kleider
sind sie dir durch Leid und Glück.

Es ist wohl des Menschen Eigenart, sich an Bekanntem festzuhalten und nur “im äußersten Notfall” etwas Neues auszuprobieren. Schließlich ist schon die Welt an sich um uns her sehr kompliziert und verändert sich dauernd…
Da freut man sich über jede Konstante, über alles, was sich NICHT ändert….

Aber manchmal engt das Alte eben auch ein. Manche Klamotte passt schlicht nicht mehr… oder ist halt einfach unpraktisch geworden für das, was man dann nun doch tun möchte (oder muss, weil sich die Welt geändert hat).

Neue Stunden, neue Tage,
Zögernd nur steigst du hinein.
Wird die neue Zeit dir passen,
Ist sie dir zu groß, zu klein?

Wir wissen es nicht genau… und darum sind wir zögerlich, vorsichtig. Wer weiß, was das Neue so bringt. Ob es wirklich besser ist?!
Vielleicht ist auch mit dem Neuen nicht alles perfekt… Doch neue Chance, neues Glück… oder “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt”

Gib dir einen Ruck. Probier mal was Neues aus. Lass dich überraschen!

Gute Wünsche, gute Worte,
Wollen dir Begleiter sein.
Doch die besten Wünsche münden
Alle in den einen ein:

Geh unter der Gnade,
Geh mit Gottes Segen,
Geh mit seinem Frieden,
Was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade,
Hör auf Gottes Worte,
Bleib in seiner Nähe,
Ob du wachst oder ruhst.

Einen wundervollen NEUEN Tag! Das wünsche ich Ihnen heute!
Ihre
Manja Pietzcker

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Sonnabend, 2.Mai 2020

Gestern war seit 4 Wochen der erste Tag ohne einen Text hier – und sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen.
Und die Hoffnung, dass auch viele andere den 1. Mai eher draußen verbracht haben, so wie wir.
Nicht mit Mainelken-Demo und Winkelement, auch wenn der Witz darüber als “running gag” den ganzen Tag mitwanderte.

Hole ich im Lichte des neuen Morgens nun nach.
Ein Winkelement oder gar eine rote Nelke… hätte es auch nicht gebraucht, wie man mir heute morgen gesteckt hat: Gestern sind wir zu Ehren Josefs des Arbeiters unterwegs gewesen. Irgendwie hat die Katholische Kirche Humor:

Der Marienmonat Mai beginnt: mit einem Mann!

Und führt dafür (1955, also 80 Jahre nach Etablierung des Kampftages der Arbeiter) für Josef einen zweiten Gedenktag ein. Nur Johannes der Täufer kommt auch in den Genuss, zwei Mal im Jahr gefeiert zu werden.

Aber es passt auch… und ich hätte es schön gefunden, wenn die Leute gestern auf den Wegen und Stegen, im Wald und auf der Wiese, tatsächlich Josef an ihrer Seite gehabt hätten. Auch wir hatten es nicht auf dem Schirm…. Es hätte unseren Blick, unsere Gespräche verändert.

Josef der Zimmermann…. die meist schweigende Figur am Rande einer zentralen Geschichte der Christenheit: Jesu Geburt. Wahrscheinlich war ja auch Jesus Zimmermann, wie sein Vater. Denn bis zu seinem 30. Lebensjahr, als er dann als Wanderprediger in Erscheinung trat, wird er für seinen Lebensunterhalt auf die traditionelle Weise gesorgt haben.

Auch heute sind die Arbeiter nicht unbedingt die, die ein Stimme haben.
Kaum entspannt sich die Lage in den Krankenhäusern, schon ist keine Rede mehr davon, dass die, die dort an forderster Front arbeiten, dauerhaft besser entlohnt werden sollen. Dass sich ihre Arbeitsbedingungen ändern sollten, nicht nur wegen Corona, sondern weil es sich einfach gehört, dass man eine so wichtige Sparte des öffentlichen Lebens als systemrelevant hoheitlich dauerhaft vernünftig ausstattet.
Einfache Arbeiter werden überall gebraucht. Aber sie haben oft keine Lobby, keinen Einfluss auf die großen politischen Entscheidungen.

Vielleicht ist deshalb der Tag Josefs des Arbeiters wirklich ein ökumenisch wichtiges Datum: Weil Kirche für diese Menschen Sprachrohr, Stimme, Lobby sein sollte. Ohne Zimmerleute, Maurer, Elektriker, Klemptner, Fließenleger…. hätten wir jämmerliche Hütten. Ohne Straßenbauer wäre es recht holprig und Geschwindigkeitsbegrenzungen obsolet, weil man sowieso nur 30 km/h fahren könnte, wenn man sich nicht umbringen will. Wobei … womit sollte das passieren… ohne die ganzen Leuten in den Autowerken wären wir sowieso zu Fuß unterwegs… Und ganz wesentlich eben auch: ohne Krankenschwestern und Pfleger kann der beste Arzt wenig ausrichten, wenn es darum geht, einen schwerkranken Menschen zu retten. Erzählungen aus dem spanischen Gesundheitssystem machen mich da sehr nachdenklich und ich habe Angst um Freunde, die dort wohnen.

Klar, rote Nelke, Winkelement… das war damals nicht nur lustig (ich habe diese Pflichtveranstaltungen im Blauhemd und “im Block marschierend” gehasst).. aber es braucht heute SICHTBAR die Positionierung der Kirche für die Menschen, die leise oder schweigend ihre Arbeit machen und deren Interessen dabei oft “hinten runter fallen”

Josef der Zimmermann, der einfache Arbeiter – eigentlich hätte der mehr als 2 Gedenktage im Jahr verdient.

Drum denke ich heut gleich noch einmal im Gebet an all die,
die dafür sorgen, dass wir so sorglos leben können.
Die das Ihre hinzutun zum großen Segen Gottes.
Und bete, dass sie behütet werden – vor allem die, die für andere ihre Gesundheit riskieren.

Amen.

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Donnerstag, 30.4.2020

Heute schreiben in Sachsen alle Abiturienten ihre Prüfung in Deutsch.

Sie werden über Texten, Gedichten sitzen
und schwitzen
und überall in den Wohnungen
denken Menschen an ihre Lieben
die sich da durch mehrere Stunden Anspannung
quälen
die schon gleich am Anfang die Frage klären müssen
welche Aufgabe soll ich wählen

Vielleicht ist das ja sogar der schwierigste Schritt.
Denn er ist nicht rückgängig zu machen.
Wenn du in Mathe einen falschen Lösungsansatz bei einer Aufgabe verfolgst, geht höchstens die eine Aufgabe schief… und evtl reicht die Zeit, noch einen anderen Weg zu versuchen.

Aber wenn du dich heute für das Gedicht entscheidest,
musst du es auch zu Ende bringen.
Egal wie.

Du gehst auf Gedeih und Verderb eine innige Beziehung mit diesem Text ein.
Du musst etwas riskieren.
Dich eben an der Weggabelung ab 8 Uhr
Entscheiden.
Loslaufen.
Weitergehen.
Bis zum Ziel.

Es gibt im Leben immer wieder solche Momente.
Wo es kein Zurück gibt.
Wo eine Entscheidung nicht zu revidieren ist.

Das ist brutal. Weil wir Menschen nicht zur komplexen Problemlösung geschaffen sind, aber eigentlich immer mit komplexen Fragestellungen konfrontiert sind. Es gibt keine einfachen Antworten. Nur mehr oder weniger plausible Vorhersagen. Erleben wir ja gerade jeden Tag. Auch ein hochdekorierter Wissenschaftler kann keine Sicherheit geben – nur mit einer “gewissen Wahrscheinlichkeit” Gewissheiten verkünden.
Und er kann auch daneben liegen.

Bei ganz vielen Fragen haben wir noch nicht einmal Zugriff auf solch ausgefeilte Vorhersagetechniken… wir können nur unserem Bauchgefühl trauen oder eben “unserem Herzen folgen”.

Und meist ist das auch gar nicht so schlecht. Denn eines ist gewiss: eine Herzensentscheidung kann nie ganz falsch sein! Sie hat nämlich im Gegensatz zur wissenschaftlichen Vorhersage einen ganz wesentlichen Unterschied: Sie hat mit meinem Innersten zu tun. Mein Herz spricht zu mir aus der Tiefe meiner Seele – aus dem, was mich trägt, prägt und hält. Und selbst, wenn dann das Endergebnis “suboptimal”, also nicht so ganz wunschgemäß ist, so ist es doch MEIN Weg gewesen. Einer, der seine guten Gründe hatte… Gründe in mir, in meinem Glauben.

Wer auf seine Seele hört und auf das, was ihm dort von Gott hineingeschenkt ist, der kann nie ganz falsch liegen.

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.
(Psalm 73,1)
Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so reden wir freimütig zu Gott, und was wir bitten, empfangen wir von ihm; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.
(1. Johannes 3,21-22)

Wie auch immer sich die Abiturienten heute entscheiden. Gott möge bei Ihnen sein und Kraft und Zuversicht geben.

So wie auch uns anderen, die wir durch diesen Tag gehen, Entscheidungen treffen und dabei auf unser Herz hören.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Manja Pietzcker

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Mittwoch, 29.4.2020

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. (Prediger 9,10)
Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. (Römer 12,11)

Ups…..kaum sprech ich vor mich hin, dass heut echt die Luft raus ist und ich mich an den Rechner quälen muss… schon kommt die Retourkutsche…

Ja, ist ja gut… ich tue ja das meine. Und mir wird ja immer wieder gesagt, dass es einige gibt, die auf Ermutigung und Zuspruch hier warten.

Aber manchmal ist es eben auch so, dass auch der “Hirte” keine Kraft hat. Dass eben die Luft etwas raus ist.

Drum hab ich mich bei einem “Online-Kloster” angemeldet für die nächsten 5 Wochen.
Wie das gehen wird, kann ich mir noch nicht so recht vorstellen. Und ich werde es auch (hoffentlich) nicht sofort 1:1 hier “verwursten”… sondern es soll meine geistliche Quelle wieder zu sprudeln bringen. Zunächst für mich.

Wahrscheinlich werde ich mehr Zeit – ganz analog – in unserer Kirche verbringen. Ist ja jetzt so gut wie nie jemand drin. Und tatsächlich das TUN etwas herunterfahren.

Meine Familie beschwert sich grad sowieso…. schließlich werde ich auch gebraucht als Mathelehrerin (geht ganz gut), Chemielehrerin (konnte ich noch nie leiden) oder Deutschlehrerin (warum muss man mit 14 Romeo und Julia auf dem Lande lesen?!) Und vor allem als Abi-Coach, schlicht Mama.

Wieder im Geist brennen – Kraft empfangen und spüren – und dann tun. Nur so rum wird ein Schuh draus. Und eben auch “nur” mit der Kraft, die man hat.
Das ist vielleicht der wichtigste Hinweis für diese Losung. Dort steht nicht: arbeite dich tot, opfere dich bis zum letzten auf. Dort steht:

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

Wofür du die Kraft hast – das tu!
Nicht mehr! Aber auch nicht weniger!

Wenn man sich nicht überfordert, sondern nur das Seine tut, ist schon eine Menge erreicht. Auf Dauer sogar mehr. Denn das Meine, mit meiner Kraft… das halte ich auch länger durch.

Drum wünsche ich auch Ihnen heute: den rechten Blick auf die Kraft, die tatsächlich da ist… und dann die Freude und den Mut, diese einzusetzen.

Gott hat Sie gesegnet: mit kleinen und großen Kräften und auch mit Weisheit und Einsicht.

In Christus!
Ihre Manja Pietzcker

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Dienstag, 28.4.2020

“Wer da glaubt, er könnt’ alleine geh’n
wird in dieser Welt sehr leicht verweh’n.

Viele Stunden haben ich mit diesen Zeilen in den letzten Tagen zu gebracht – um sie übereinander zu bringen.
Denn wenn jede Pfadfinderfamilie das gleiche Lied bei sich zu Hause singt – dieses Lied von Zusammenhalt und Gemeinschaft sich selbst zuspricht und zusingt über alle räumliche Trennung hinweg… ist es eben dann doch von jedem zunächst ein Einzelkunstwerk.

Nun endlich ist es mir gelungen, ein halbwegs brauchbares Gruppenprodukt daraus zusammenzuschneiden. Damit es jeder hören kann, dass auch auch die anderen mitgesungen haben. Dass es da so vieles gibt, das uns verbindet – vom Schellenring bis zur eigenen Stimme.
Wir sind nicht allein. Die Musik, die Lieder, die Hoffnungen, die wir teilen, verbinden uns. Gestern, heute und morgen!

Drum singt in mir immer noch der Refrain:

“Und wer nie an seine Freunde denkt
und auch nie den roten Tschai ausschenkt
der kann bleiben, wo er ist.
Draussen weht gewiss ein kalter Wind
doch die Feuer nie erloschen sind
für uns Sänger, wie ihr wisst!”


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Montag, 27. April 2020

PAROLE EMIL !

So begrüßte mich heute morgen meine Familie.

Kurze Irritation. Aber ja. Es geht wieder los. Und wir werden es hinkriegen. Zusammmen. Mit einem guten Plan und dem unbedingten Willen, das Ziel zu erreichen.

Heute also: einen Wochenplan machen. Sich für jeden Tag eine plausible Portion Aufgaben vornehmen (oder Unternehmungen)… Um die Tage, die Woche zu strukturieren.

Um sich nicht in der Trägheit zu verlieren, sondern es anzupacken.
Und sei es nur, das eigene Wohlbefinden in der Hand zu haben (sonst hieß es ja immer, Rentner haben niemals Zeit… jetzt beschweren sich diese zunehmend bei mir, sie hätten plötzlich zu viel davon ….)

Und wenn es uns dann noch gelingt, unsere Pläne, unsere Vorhaben auf ein Gemeinsames auszurichten (zum Beispiel unsre Gemeinschaft im Blick zu haben und lebendig zu halten), so wird es nicht nur uns gut tun, sondern ein Segen für alle sein.

Die Pfadfinder waren und sind grad ganz eifrig, ein Lied aufzunehmen… Jeder für sich, mit ganz unterschiedlichen Ideen. Ziel ist es aber nicht, für sich eine schöne Aufnahme zu haben, sondern diese zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.

Es freuen sich schon alle auf das Ergebnis.
Auch bei Emil und seinen Detektiven ist man ja ausgeschwärmt und jeder hat das seine – an seinem Platz und auf seine Weise – beigetragen. Und am Ende war es erfolgreich.

Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen. (Spr 16,3)

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Sonntag, 26.4.

Vorab eine Preisfrage: ist jemandem ein “alter Bekannter” auf der Startseite auf dem Symbolbild über dem Link zu dieser Seite aufgefallen? Wer sich zuerst meldet, bekommt einen kleine Preis 😉

Und hier nun der Ablauf und die “Mini-Predigt” für den Sonntag (alles etwas kurz, weil wir ja 3-4 Durchgänge hinbekommen müssen)

Eingangs-Gebet

Herr, wir kommen zu dir aus einer Welt, die aus den Fugen geraten scheint.
Himmlischer Vater, guter Hirte, du führst uns zur grünen Weide und zum frischen Wasser.
Du sorgst für uns und führst uns zusammen. Du gibst niemanden verloren sondern gehst jedem nach und mit jedem mit.
Wir bitten dich: hilf, dass wir uns auch untereinander im Blick haben. Dass räumliche Abstände uns nicht voneinander trennen. Wir bringen vor dich, was jetzt unseren Alltag belastet und bitten dich um Zuversicht. Damit wir trotz allem nach vorn schauen und uns an dir und deinem Wort freuen können.
Amen

Lesung (Johannesevangelium 10, 11-15.27-30, Übersetzung: Hoffnung für alle):

11Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein. 12 Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur wegen des Geldes als Hirte arbeitet. Er flieht, wenn der Wolf kommt, und überlässt die Schafe sich selbst. Der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander. 13 Einem solchen Mann liegt nichts an den Schafen. 14 Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich; 15 genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe mein Leben für die Schafe.

Kurzpredigt:

Im Johannesevanglium spricht Jesus insgesamt sieben Ich-bin-Worte zu seinen Jüngern.
Mit diesen steilen Ich-Aussagen stellt er sich stark und schützend, bestärkend und ermutigend vor seine Jünger. Es ist eine ganz starke, selbstbewußte Aussage:
ICH … BIN …. ICH BIN …. für euch!
Er nimmt hier eine Vollmacht in Anspruch, wie sie nur im Johannesevangelium von ihm so gezeichnet wird. Ein kraftvolles, ein verlässliches Gegenüber, das ganz selbstverständlich für Gott spricht und für Gott vor den Jüngern steht. So steht er auch vor uns.
Und er nimmt dafür starke, deutliche Bilder – Bilder, die für jeden verständlich sind.
Das Bild vom Hirten kennen die Menschen schon von alters her. Sie kennen es aus ihrem Alltag. Der Hirte ist ein Beruf, den damals jeder kannte. Jeder wusste, was ein Hirte zu tun hat und wie der tickt. Wenn es deine Schafe sind, dann ist das nicht einfach ein Job, wie wir heute sagen. Sondern dann sind diese Schafe dir eng ans Herz gewachsen.

Du kennst jedes beim Namen und bei seinen Eigenarten. Und jedes wird dir fehlen, wenn ihm etwas zustößt. Du musst nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen jedes deiner Schafe gegen die Wölfe verteidigen, sondern du wirst es auch tun um deines Herzens willen. Weil es dein Herz barmt. Es würde brennen in deinem Herzen, wenn du nur eines deiner Schafe verlierst. Dein Herz würde klagen und jammern,
Und genau so tickt Gott! Genau so tickt auch Jesus. Er kann gar nicht anders, es würde ihn barmen, wenn er dich verlieren würde.
Darum erbarmt er sich seiner Kinder wie ein Hirte seiner Schafe – er kümmert sich rührend und aufopferungsvoll um jeden einzelnen von uns.
So, wie es der Beter auch in Psalm 23 beschreibt von der anderen Seite:
Der Herr ist MEIN HIRTE,
mir wird nichts mangeln. ….. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Was immer gerade um uns herum geschieht – Gott behütet uns. Er beschützt uns und führt uns zusammen wie eine Schafherde. Und auch, wenn wir hier heute ziemlich weit auseinander sitzen, so sind wir doch unter seinem Dach vereint. Geborgen unter seiner starken Hand.

Und so spricht Jesus wenige Verse später: 27 Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. 28 Ihnen gebe ich das ewige Leben, und sie werden niemals umkommen. Keiner kann sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater hat sie mir gegeben, und niemand ist stärker als er.[1] Deshalb kann sie auch keiner der Hand meines Vaters entreißen. 30 Ich und der Vater sind eins.«

Dieses Bekenntnis haben wir in Kurzform zu Ostern einander zugesprochen. Er ist wahrhaftig auferstanden! Denn in der Auferstehung Jesu wird auch uns das ewige Leben eröffnet. Wurden wir unauflösbar mit Gott verbunden. Auf ewig.

Und der Friede und die Barmherzigkeit Gottes, die höher sind als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied EG 116: Christ ist erstanden, Halleluja

Gebet+Vaterunser:

Fürbittgebet (nach einer Sammlung der Konfirmanden Klasse 8)

Der Herr ist MEIN HIRTE, mir wird nichts mangeln.

Schenke allen Menschen genug zum Leben und gib Zuversicht in dieser auch für viele wirtschaftlich schwierigen Zeit.
Du Herr weidest uns auf einer grünen Aue und führest uns zum frischen Wasser.

Gib uns Kraft in allen Herausforderungen
Du erquickest unsere Seele.

Lass uns über allen Alltagssorgen nicht vergessen, nach dir zu fragen. Lass uns auch stets unsere Nächsten in Nah und Fern im Blick behalten, die unserer Hilfe bedürfen. Du hast uns einander anvertraut.
Du führest uns auf rechter Straße um deines Namens willen.

Wir bitten dich, hilf uns durch diese düsteren Zeiten der Pandemie. Schenke uns immer wieder den Blick auf das Licht am Ende des Tunnels!
Denn ob wir schon wanderten im finstern Tal, fürchten wir kein Unglück; denn du bist bei uns, dein Stecken und Stab trösten uns.

Lass uns immer wieder auch die wundervollen Seiten des Lebens sehen. Lass uns spüren, dass wir deine Kinder, dass wir Königskinder sind. Erlöst und erwählt.
Du salbest unser Haupt mit Öl und schenkest uns voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden uns folgen unser Leben lang, und wir werde bleiben im Hause des HERRN für immer.

Dafür danken wir dir, oh Gott und beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel …

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sein dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden
Amen
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Sonnabend, 25.4.2020

Heute morgen ist der Himmel nicht blau.
Es ist auch keine Stille mehr rund um unser Haus – die Autos fahren wie eh und je (wahrscheinlich alle in den Baumarkt)
Wir werden nicht in Familie einen Ausflug machen – denn das Abitur fordert seinen Tribut….

Lauter “nicht”

So sollte kein Tag beginnen.
Es ist eben doch nicht immer hilfreich, einfach aus dem Fenster zu schauen und zu erwarten, dass von dort die Hoffnung kommt.
Manchmal gelingt das, aber eben nicht immer.

Wohin dann den Blick wenden? Worauf schauen, um Zuversicht und Mut für den Tag zu bekommen?

Also weitersuchen….
Weil ich für diese Seite jeden Morgen Ausschau halte, für die Leute, von denen ich weiß, dass sie es lesen und damit letztlich für mich selbst. Ausschau halten nach dem Lichtblick, den es braucht, um aufzustehen. Um loszugehen. Um dem anderen ein Lächeln schenken zu können….

Ich fand ein Gebet von Theresa von Avila…
Ja, so könnte es gehen. Ich hoffe, auch für Sie.

Bleiben Sie frohgemut, wach und offen für diesen Tag!
Ihre Manja Pietzcker


Denk Du in mir, o Jesus,
dann denk ich licht und klar.

Sprich Du in mir, o Jesus,
dann sprech ich mild und wahr.

Wirk Du in mir, o Jesus,
gerecht ist dann mein Tun.

Heilige meine Arbeit,
und segne auch mein Ruhn.

Durchdring mein ganzes Wesen,
erfüll mein ganzes Sein,

dass man aus mir kann lesen,
die große Liebe Dein.

Theresa von Avila

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Freitag, 24.4.2020

Gott, unser himmlischer Vater….
möge das Licht dieser flackernden Kerze
die Nacht erhellen
wie dein Geist meine Seele erleuchtet.

Mit diesen Worten beginnt ein inniges Gebet – gesungen von Barbra Streisand im Film Yentl. Sie hat heute Geburtstag und so wurde ich von unserem Kalender daran erinnert, dass mich dieses Gebet, diese Melodie, die gesamte Geschichte dieses Filmes viele Jahre intensiv begleitet hat. Und Barbra Streisand war daran sicherlich nicht ganz unschuldig – ihre Art, zu spielen und zu singen, ist so berührend, so direkt, dass man sich der Geschichte kaum entziehen konnte. Zumal, wenn sie dich selbst mitten in einer ähnlichen Situation trifft.

Sich gegen alle Regeln aufzulehnen, auszubrechen aus dem, was für dich vorgegeben ist. Den eigenen Weg zu gehen – einfach nur im Vertrauen auf Gott. Zu wissen, dass viel auf dem Spiel steht – der mögliche Verlust der Anbindung an die eigene Familie oder Herkunft als höchster Preis…

Noch immer singt manchmal in mir dieses Gebet – es hallt wieder durch die Zeiten, auch wenn ich zum Glück dann doch die Anbindung behalten (oder neu finden) durfte. Als ich losging, war das nicht sicher – ja, das Risiko war hoch. Doch ich bin dennoch losgegangen. Betend. Zu Gott flehend, dass es gut gehn möge. Dass Verständnis wachsen möge. Dass es die richtige Entscheidung sein möge.

Auch wir gehen heute, Tag für Tag, in kleine und große Ungewissheiten. Wir müssen dennoch losgehen. Wir müssen unser Leben gestalten, mit allen Risiken.

Eines zumindest ist uns gewiss: Gott hört uns, sein Licht wird auch im dunkelsten Moment für uns leuchten. So wie unsere Seele von seinem Geist erleuchtet wird.

Wenn es gut geht, strahlt etwas davon aus unserer Seele hinaus in die Welt. Macht sie etwas heller. Vielleicht nur wie die kleine Flamme einer Kerze. Aber immerhin.

Gottes Geist erleuchtet auch Sie – heute und morgen und alle Zeit!

Ihre
Manja Pietzcker

Wer die Musik nicht kennt: hier ein youtube-video, das ich gefunden habe (leider mit Werbung usw…)

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Donnerstag, 23.4.2020

Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

Davon erzählte heute Bettina Müller in der Andacht zur Mitarbeiterbesprechung – und davon, wie dieser Spruch ihr die Gewissheit gab, sich richtig entschieden zu haben. Damals, als sie den gut bezahlten Job in der Sparkasse aufgab und die “ver-rückte” Idee in die Tat umsetzte und auf Gemeindepädagogik umsattelte.

Dem Ruf folgen, egal was es kostet. Weil es das Richtige ist.

Das erfordert viel Mut. Und Vertrauen.

Und der Lohn ist oft wohl eher spirituell, als direkt im täglichen Leben sichtbar. Obwohl die Rückmeldungen der Menschen, für die man da ist, ja auch Lohn ist……

In diesem Sinne: Hören auch Sie auf den Ruf! Glauben Sie der Stimme Ihres Herzens. Egal, was es kostet. Unabhängig davon, was “es bringt”.

Gott segne Sie und all Ihr tun!

Ihre
Manja Pietzcker

Mittwoch, 22.April 2020

Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und, du wurdest mein.
Hesekiel 16,8

Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.
Galater 3,26

Wie man Eltern wird, weiß jeder. Aber wie wird man Kind?

Ich habe mich nicht dafür entschieden, genau dort zur Welt zu kommen, bei diesen Eltern…. in diesem Land…
Sondern es wurde mir zuteil.
Es ist passiert. Ich wurde erwählt.

Genauso wurde ich Gottes Kind. Einfach, weil Gott einen Bund schloss – eine enge, reißfeste Verbindung.
Eine Verbindung, die ich von meiner Seite auch nicht einfach wieder lösen kann.

Selbst wenn ich mich abwenden würde, würde diese Zusage, dieser Bund, weiter bestehen.
Der Bund – die Verbindung – das Band – zwischen Gott und mir – kann verschüttet werden, ich kann mich davon abwenden, es nicht beachten, aber doch ist es immer da.

Es ist eine sehr lange Leine, an der Gott mich hält. Aber sie ist nie durchgeschnitten. Wenn ich sie nicht spüre, dann deshalb, weil Gott sie immer so lose oder fest auf Tuchfühlung hält, wie es für mich gerade stimmig ist.

Manchmal ruckte und zuckte es in der Vergangenheit schon daran und ich wurde in eine bestimmte Richtung gezogen – weil da offenbar für mich grad was dran war, wahrzunehmen.

Und manchmal scheint es, als hätte er mich ganz “von der Leine gelassen”… ich geh meinen Weg ganz selbständig.
Wenn ich mir selbst aber zu los-gelassen, zu verloren vorkomme, kann ich mich umdrehen und spüren, tasten, sehen, wo das Band ist. Wo der Bund mich hinführt mit diesem Gott, der mich schlicht und ergreifend Kind nennt.

Und mir Zukunft geschenkt hat.

Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und, du wurdest mein.

Wie weit auch immer ich mich allein hinausgewagt habe – er wird da sein. Denn ich bin sein Kind.

Das beruhigt. Das gibt Zuversicht. Das gibt Mut.

In diesem Sinne wünsche ich auch Ihnen: einen gesegneten, gottverbundenen Tag!

Ihre Manja Pietzcker

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Dienstag, 21.April 2020

“Nicht nur gießen! Auch streicheln und mit ihr reden!”

So haben wir uns mit einem Lachen gestern von den Eltern verabschiedet.
Denn wir hatten einen Baum gepflanzt.
Ein lange versprochenes Geburtstagsgeschenk,
das man gestern nun den ersten Tag legal wieder aus der Baumschule holen und im Vollschutz im Garten vor dem Haus einpflanzen konnte…
Eine Aprikose namens Nancy.

Auch mit ihr reden?!

Warum nicht. Vielleicht nützt es ja wirklich was.

Schließlich wissen wir inzwischen von Herrn Wohllebe,
dass wir nichts wissen. Über Bäume. Darüber, wie sie kommunizieren und was sie vielleicht (auch über uns?) wissen.

Immerhin sind Bäume oft sehr alt. Können hunderte, ja einzelne sogar über 1000 Jahre alt werden.

Und ganz offensichtlich kommunizieren sie im Wald. Auch wenn wir es nicht wahrnehmen können. Fragt sich ja noch, wer hier mehr und wer hier weniger weiß von der Welt…..

Und da bin ich wieder bei dem Thema, das auch die Konfis immer ganz oben auf der Wunschliste der Besprechungsthemen haben: Gibt es Gott?

Tja. Beweisen kann man das ja nicht. Wissen kann man es auch nicht. Nur glauben.
Und sich immer wieder klar machen, dass menschliches Wissen und Vernunft eben auch nur die halbe Wahrheit ist (höchstens).
Es könnte also sein, dass es Nancy sehr wohl honoriert, wenn wir auch freundlich mit ihr reden.
Und uns schon bald leckere Aprikosen als Dank schenkt… Wer weiß….

Denn der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne!

In Christus Jesus!

Ihre
Manja Pietzcker

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Montag, 20.April 2020

Heute morgen hab ich mich richtig geärgert!
Warum? Weil ich beobachten musste, wie sich vor einer Schule die Abiturienten (zugegeben nach einigen Wochen Trennung) im Park trafen, als erstes umarmten und offenbar auch ohne Maske im Pulk Richtung Schule zogen. Kein Abstand. Keine Rücksicht gegenüber den Leuten auf dem Fußweg, die verzweifelt aber nutzlos versuchten, die 1,5m Minimalabstand zu wahren… Wer nicht auf die andere Straßenseite auswich, hatte halt Pech.

Wohl gemerkt Schüler einer christlichen Schule…..

In mir kocht es noch immer. Denn:

1. ist es ein Gebot der Nächstenliebe, gegenüber anderen Rücksicht zu nehmen und eine Maske zu tragen und Abstand zu halten, einfach, weil es DEM ANDEREN nützen könnte.

2. sollte ich als Christ wissen, dass ich eben nicht alles bis zum letzten selber im Griff habe – ob und wie mich diese Krankheit betrifft, kann ich nicht wissen (auch junge Leute sind an der Beatmung gelandet)… Und eben auch nicht, ob ich unwissentlich eine Krankheit verbreite, die mich selbst nicht bedroht, wohl aber gefährlich für den anderen sein kann.

3. ist einem gläubigen Menschen wohl eher einsichtig, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die ich zwar nicht sehen kann, die es aber trotzdem gibt. Winzige fiese Viren zum Beispiel.

Offenbar ist die Frage nach dem Virus eine Glaubensfrage…

Und es ärgert mich massiv, dass die Leute, die noch vor einigen Monaten lauthals auch mir vorgeworfen haben, ich hätte ihre Zukunft zerstört, sich jetzt um die Zukunft anderer Menschen einen feuchten Kehrricht kümmern.

Sorry, dass ich heute hier so wenig “andächtig” bin – aber es geht mir über die Hutschnur, derart viel Ignoranz zu sehen.

So viel mangelnde Nächstenliebe….

Denn ich unterstelle mal: wenn es auch für junge Leute direkt und sichtbar bedrohlich wäre, würden sie sich anders verhalten.
Wenn die eigene Oma oder gar Mutter im Krankenhaus auf der Intensivstation läge, vielleicht auch.

Es ist für mich nur mit einem Egoismus zu erklären, den wir in dieser Gesellschaft natürlich seit vielen Jahren befördert und kultiviert haben: “Jeder ist sich selbst der Nächste – wenn alle nur an sich selber denken, ist auch an alle gedacht.”

So funktioniert aber Zusammenleben nicht.
So funktioniert Gemeinschaft nicht.
So funktioniert in der letzten Konsequenz ÜBERLEBEN nicht.

Einmal mehr bete ich zu Gott, er möge allen Menschen Demut und Einsicht schenken. Und eben vor allem den Blick über den eigenen Tellerrand.

Damals, als Jesus 5 Brote und 2 Fische teilte,
haben alle miteinander geteilt, haben alle einander im Blick gehabt.
Und es hat für alle gereicht – ja es war sogar im Überfluss vorhanden.

Gott ist großherzig und langmütig, er sorgt für seine Kinder…
Aber er wird nach uns rufen, wenn wir uns am Bruder schuldig gemacht haben… direkt oder indirekt.

Sollte ich MEINES BRUDERS HÜTER sein?

JA!!!!!!!

Bleiben Sie heute behütet – durch ihre Mitmenschen, die hoffentlich rücksichtsvoll und einsichtig sind, um ihrer Nächsten willen…
Behüten auch Sie die Menschen in nah und fern!

Gott wird uns segnen.
Und wir können auf diese Weise seinen Segen weitergeben.

Ihre
Manja Pietzcker

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Quasimodogeniti – Wie die neugeborenen Kindlein…

So sind wir heute alle tastend, vorsichtig, unsicher durch unsere Kirche gegangen, wie die unwissenden Kinder. Auch wir wussten nicht, ob es funktionieren würde…. Taufgedächtnis… nur im Vorbeigehen… Geht das?

Nun, es war ganz anders… aber ich glaube, für die meisten ging es schon.
Natürlich, man konnte nicht miteinander singen. Man konnte nicht wirklich verweilen. Aber das eine oder andere Gespräch kam doch zustande. Und vor Gott treten, sein Herz vor ihm ausbreiten. Und seinen Segen empfangen… das konnte man schon.

An der Osterkerze brannte die Flamme des heiligen Geistes, das Licht Christi… und jeder konnte es empfangen.
Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis,
sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12)

Und am Taufbecken erinnerte das Wasser an die eigene Taufe. Daran, in der Taufe von Gott als sein Kind willkommen geheißen zu sein.

Gott spricht: Fürchte dich nicht,
denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen;
du bist mein! (Jes 43,1)

Ihr alle, die ihr da wart und alle, die ihr nicht kommen konntet – Ihr alle seid gesegnet!

Denn der Herr segnet und behütet dich. Er lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig. Der Herr erhebt sein Angesicht auf dich und gibt dir Frieden!

Amen

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Samstag, 18. April 2020

Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.
Jeremia 8,7

Hmm…. was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Jeremia, der Prophet, schimpft mit dem Volk Israel. Eine Strafpredigt, die sich gewaschen hat. Worum es geht? Um Überheblichkeit. Um Uneinsichtigkeit. Darum, Fehler nicht einzusehen.
Das Volk Israel ist – auch noch zum wiederholten Male – in die Irre gegangen. Hat sich fremden Göttern zugewandt. Malkem, Molech… so hießen sie damals… Maloche, Mammon… heißen sie noch heute….

Gerade jetzt, wo das „Normale“ so in Frage gestellt ist, wird deutlich, dass da wohl auch bei uns so manches ziemlich schief gelaufen ist oder schief läuft. Diese Gesellschaft ist auf „Wachstum“ ausgelegt. Wenn es von einem Jahr zum nächsten nicht MEHR wird (mehr Gewinn, mehr Wirtschaft, mehr Umsatz…) bekommen die sogenannten Wirtschaftsweisen die Panik und erklären den bevorstehenden Weltuntergang.

Auch Jeremia hat die Weisen seiner Zeit auf dem Kieker… wahrscheinlich haben die auch im Brusttone der Überzeugung Sachen verkündet, die mit einem gottgefälligen, demütigen Leben nicht viel zu tun hatten.

Denn das ist es doch, was „dran“ wäre – zu verstehen, wann der rechte Zeitpunkt zur Umkehr ist. Wie eben die Zugvögel, die sich sehr wohl auf eigene Fähigkeiten, eigene Überlebenskunst verlassen und in die nördlichen Brutgebiete fliegen. Aber wenn die Zeit gekommen ist, sehen sie ein, dass sie demütig umkehren sollten – zurückkehren in den Süden, wo das Überleben für sie gesichert ist.

Kein Storch käme auf die Idee, die gottgeschenkte Wärme im Winter nicht nötig zu haben, weil er alles selber im Griff hat…… Keine Schwalbe behauptet, ihr Leben ohne Anbindung an die Schöpfung „durchziehen“ zu können. Keine Drossel wäre so verrückt, aus Selbstoptimierung noch „höher, schneller, weiter“ in den Norden zu fliegen.

Wir wurden ausgebremst, zurückgeworfen auf die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens (ob das zwingend Klopapier sein muss, sei mal dahin gestellt)… auf jeden Fall macht mich die jetzige Situation nachdenklich, demütig.

Wir haben so vieles nicht im Griff. Ein unsichtbares kleines Virus macht alle Wirtschaftstheorie zunichte, wirft uns zurück auf das nackte Angewiesensein als erbarmungswürdiges Menschlein….

Zurück zu den Wurzeln. Zurück zu Gott.
In Demut und Dankbarkeit!
– Ja auch dankbar, denn trotz allem: wir leben!
Und ich bin gewiss: Wir haben eine Zukunft. Wie die aussieht, entscheiden nicht wir allein.
Wahrscheinlich ist das gut so.

Gott schenke uns Einsicht – und den Mut zur Umkehr.

Amen

Ihre Manja Pietzcker

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