Verbunden in Andacht und Gebet

Donnerstag, 26. November 2020

Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Epheser 5,20

Wirklich für alles?

Wie soll das gehen?

Wenn ich in die Welt schaue, gibt es genug Dinge, über die man nur klagen kann. Die kein Grund zur Freude sind.

Ja klar, ich kann es umdeuten – alles hat sein Gutes, sagt so mancher im Rückblick. Vielleicht ist das so. Aber in dem Augenblick, wo ich es erlebe, kann es mir schnell zynisch vorkommen. Danken für Terror, Leid, Schmerzen, Tod?!

NIEMALS!

Aber ja, es ist so, dass ich selbst in den schlimmsten Momenten nicht verlassen bin. Dass Gott mir oft jemanden an die Seite stellt, mir dann doch ein Zeichen schickt. Und DAFÜR bin ich dann dankbar.

Das heißt nicht, dass ich für das Leid danke. Aber für das, was ich drum herum erleben darf. Und sei es noch so klein.

Denn eines ist gewiss. Neben der Klage – die mein Herz braucht, um sich Luft zu machen – ist es mein Blick nach vorn, der mich am Leben erhält. Es ist eben dann doch der kleine Lichtstrahl, die winzige Geste, der freundliche Blick, der mich – trotz allem – beschenkt.

Und dafür zu danken ist auch für mich gut und wichtig. Weil ich es mir bewußt mache, dass es eben mehr gibt als die dunkle Phasen.

Dass das Leben voller Facetten, voller dunkler UND heller Farben – voller Schatten UND Licht ist.

Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

AMEN

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Mittwoch, 25. November 2020

Wie plant man einen Tag, an dem so ziemlich alles anders sein wird, als ich es mir je vorstellen konnte?

Vielleicht gar nicht weiter – Ich werde sehen, was er bringt.

Könnte allerdings sein, dass Sie am Mittwoch (evtl auch danach) das Pfarramt nicht wiedererkennen, weil wir umräumen müssen, damit sowohl die Mittwochsmusik als auch das Einzelcoaching der Konfis funktioniert… Denn einige werden vorbei kommen, andere lieber per Videokonferenz das Gespräch suchen… also braucht es sowohl eine ansprechende Gesprächsatmosphäre vor Ort als auch schnelles Internet (gibts nur im Pfarramt).. und das im Wechsel im 20min-Takt…

Aber warum nicht auch mal im Pfarramt Möbelrücken… alles neu macht der.. (nicht Mai) November….

Ich habe beschlossen, mich einfach darauf zu freuen und mich überraschen zu lassen, wie das dann aussieht und wie das alles funktioniert. Womit die Konfis kommen werden und was wir gemeinsam draus machen.

“Möge jeder Tag deines Lebens stets gefüllt sein
mit einem lachenden Herzen,
Sonne im Gemüt, Wind im Rücken
und einer guten Prise Heiterkeit”

Mit so einem Segensspruch KANN das nur ein guter Tag werden!

Für SIE hoffentlich auch!

Ihre
Pfrn. Manja Pietzcker

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Dienstag, 24. November 2020

Zündet man denn ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Und nicht, um es auf den Leuchter zu setzen?
Markus 4,21

Das denke ich gerade auch immer wieder – vor allem, wenn über Verwaltungsvorschriften, Regelungen, Gesetze und was nicht alles diskutiert wird… Kirche ist doch nicht die Verwaltung von Gläubigen und Gebäuden!
Kirche ist der Zusammenschluß von Menschen, die etwas zu teilen, etwas mitzuteilen haben:
LICHT!

Gerade jetzt, wenn die Menschen verzweifelt fragen, wie sie bitte in Weihnachtsstimmung kommen sollen angesichts all der Beschränkungen.

Gerade jetzt, wenn die Tage kürzer, das Sonnenlicht knapper wird.

Gerade jetzt, wenn die “Einschläge näher kommen” und die Opfer der Pandemie plötzlich Namen und Gesichter aus meinem Umkreis haben.

In Bethlehem brennt ein kleines Licht – in einer dunklen Grotte … man erzählt sich, es sei die Geburtsgrotte Jesu. Ein steinerner Stall ohne Fenster und Tageslicht.

Seit über 25 Jahren nun schon gibt es die Tradition, dass – trotz aller kriegerischer Auseinandersetzungen, trotz aller politischer und religiöser Differenzen rund um diesen kleinen dunklen Stall – ein Kind aus Europa kommt und mit Hilfe und unter der Begleitung von Kindern vor Ort dort das Licht abholt und als Friedensbotschaft nach Europa holt.

Schon immer war es schwierig, das Licht zu transportieren… immer komplizierter wurde es auch in Europa.. .Die Bahn verbot die Laternen mit den Kerzen… dann verringerte sie die Zahl der von den Pfadfindern eilends gebauten Sicherheitsbehälter für den Transport… und dieses Jahr geht scheinbar gar nichts mehr…

Aber wir lassen uns nicht unterkriegen!
Pfadfinder geben auch in Schwierigkeiten nicht auf.
Und so bin ich gewiss, dass auch dieses Jahr das Licht aus Bethlehem hier leuchten wird. Dass dieses kleine Licht der Hoffnung letztlich hell auf unserem Altar – und an möglichst vielen Stellen in der Stadt in die Dunkelheit strahlen wird.
Wir stellen es nicht unter den Scheffel, wir wollen, dass es für möglichst viele Menschen leuchtet. Gerade jetzt. Gerade in dieser Situation.

Mache dich auf – und werde Licht!!!!

Wir haben ewas zu teilen – nämlich die Hoffnung!

Die Hoffnung, dass selbst in der dunkelsten Nacht das Licht Gottes leuchtet und uns nicht allein lässt. Gott ist bei den Menschen, selbst in der tiefsten aller Krisen!

Davon bin ich überzeugt. Und wenn Sie mir zustimmen, dann erzählen Sie es weiter! Das Licht der Weihnacht ist schon auf Reisen – und es wird auch uns erreichen, auch 2020!

Mache dich auf und werde Licht!

Ihre
Manja Pietzcker

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Montag, 23.November 2020

Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen,
die zerschlagenen und demütigen Geistes sind,
auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten
und das Herz der Zerschlagenen.
Jesaja 57,15

Ich hörte, wie er spielte – voller Inbrunst. Mit aller Kraft, mit aller – ja geradezu verzweifelter – Anstrengung und Konzentration fanden die Finger und die Füße Tasten und Pedale und die Orgel füllte den Raum mit überirdischem Klang.

Es war sein Gruß hinauf zum Himmel – zu seiner Frau, die er so plötzlich hatte gehen lassen müssen.

Als der letzte Ton verklungen war, fiel er in sich zusammen, die Tränen brachen hervor und auch mir stiegen die Tränen in die Augen.

Da kannst du noch so optimistisch predigen und beten… die Trauer und Verzweiflung ist nicht einfach so wegzureden.

Am liebsten hätte ich ihn umarmt. Sicher auch, um meine eigene Hilflosigkeit zu trösten. Doch wir haben “Corona”…

Ich legte ihm die Hand auf die Schulter und blieb stehen, ohne ein Wort – obwohl ich die Blicke all der anderen spürte.

Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen.
Es gab jetzt nichts wichtigeres als diese Geste: Du bist nicht allein!

So zumindest dachte ich – und als er nach einer Weile nickte und leise dankte, war ich froh, dass es wohl nicht ganz falsch war.

Gott ist nicht nur hoch oben im Himmel – wo seine Frau nun frei von allen Schmerzen sein darf.
Nein, Gott ist auch hier unten bei uns Menschen, bei all denen, die Trost und Erquickung brauchen.
Und Gott wird sich unser aller bedienen, um auch den ganz unten zu erreichen.

Oh Herr, lass mich zu deinem Werkzeug werden.
Nimm meine Hände und zeige mir, wo sie gebraucht werden.
Davon geht keine Trauer weg. Aber sie ist vielleicht ein klein wenig leichter zu tragen.

Wer weiß, wo Ihre Hände heute gebraucht werden?
Oder wo Gott Ihnen die Hand auf die Schulter legt zum Trost?

Lassen Sie uns einander Boten Gottes sein. Es ist gar nicht so schwer.

Ihre
Pfrn. Manja Pietzcker

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Ewigkeitssonntag 2020

Wie predigt man zwischen Totengedenken und dem himmlischen Jerusalem?

Vielleicht so:

Heute, am Ewigkeitssonntag, am Ende des Kirchenjahres, haben wir uns versammelt, um zurückzuschauen – und unserer Toten zu gedenken.
Da hören und singen wir Texte wie
Wachet auf, ruft uns die Stimme…. macht euch bereit zu der Hochzeit?

Und wir singen Gloria sei dir gesungen mit Menschen und mit Engelszungen, Harfen und Zimbeln
kein Aug hat je gespüret, kein Ohr hat je gehöret solche Freude – Des jauchzen wir und singen dir Halleluja

Weiter hören wir Worte aus der Offenbarung des Johannes:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Wers glaubt wird selig, sagt da wohl so mancher

Wie passt das zusammen, unsere Traurigkeit und diese Jubellieder, unser Totengedenken und diese bunten Bilder von Hochzeit und himmlischem Jerusalem?!

Wir schauen doch – gerade heute – mit Schrecken auf das, was der Tod mitten in unserem Leben bedeutet.
Wir sind fassungslos, traurig, wütend, verzweifelt…..
Wir fühlen uns verlassen, einsam und allein.
Wie soll ich da solchen Worten glauben?!
Zu groß der Schmerz, zu tief die Trauer…. Wer’s glaubt wird selig!

Doch ich würde ja so gern glauben – dass die tiefe dunkle Nacht endet, dass meine Seelennot endet

Die Mitte der Nacht – ist der Anfang des neuen Tages
Die Mitte der Not – ist der Anfang des Lichts.

Glauben heißt, DARAUF zu vertrauen. Dass nichts das Ende bedeutet, noch nicht einmal der Tod. Dass es immer weiter geht – in Gott und mit Gott. Dass die tiefste aller Tiefen der Wendepunkt ist, hin zum neuen Tag, zum Licht.

Gott ist das A und das O, der Anfang und das Ende – unser irdisches Leben ist von ihm geschenkt und kehrt zu ihm zurück. Keiner kennt die Stunde, keiner weiß, wie genau das aussieht, was nach dem Tod kommt.

Wir haben nur die Visionen unserer Vorfahren, in denen sie beschreiben, was uns in der Ewigkeit erwarten könnte. Es ist hoffentlich nicht die endlose Verlängerung unseres irdischen Lebens.
Wir wissen nicht, was uns erwartet. Nur eines ist gewiss: dass Gott uns niemals fallen lässt.
In der Offenbarung des Johannes heißt es: Ich mache alles neu – ALLES.
Was immer du bisher erlebt und gesehen hast, ja, auch was immer du dir bisher vorgestellt hast, es wird anders sein – ein neuer Himmel und eine neue Erde.

Johannes schenkt uns Bilder voller Trost – mit menschlichen Worten und menschgemäßen Bildern. Anders kann er ja nicht beschreiben. Wir wissen nur, dass unser Wissen begrenzt, dass unsere Sprache ungenügend ist für das, was Gott uns verheißt. Und doch bedienen wir uns dieser unserer Sprache, tastend, umschreibend. Voller Bilder, die Raum lassen für das Neue, das Andere.

…..

Gott kommt mit seiner Hütte zu uns Menschen. Du musst nicht zu ihm hinauf über endlos viele Stufen in den Wolkenkratzer göttlicher Verwaltung. Sondern er kommt ganz einfach runter zu dir – er hat seine Hütte bei dir, bei uns Menschen.
Und er hat aus dem Sprach-Register die Begriffe Tod, Leid, Geschrei, Schmerz gestrichen – einfach rausgeworfen. Braucht er nicht. Brauchst auch du dann nicht mehr.

Statt dessen wendet er sich dir zu, wie es intimer nicht geht. Er wird abwischen alle deine Tränen – wie die Mutter, die dich auf den Schoß nimmt, sich anhört, was dir passiert ist – dich weinen lässt und dann deine Tränen liebevoll und vorsichtig abwischt.

Öffne dein Herz – lass das Bild in dich hinein. Gott ist wie eine Mutter, die dich beschützt und tröstet. Lass es hinein in dich – und du wirst deiner Seele Gutes tun. Deine Seele, die brennt vor Trauer und Schmerz, lechzt nach Erfrischung – danach, dass ihr Durst nach Trost, nach Geborgenheit, nach Hoffnung gestillt wird.
Gott verspricht die Quelle lebendigen Wassers – im himmlischen Jerusalem sprudelt sie hervor, versiegt nie – sie ist da, um alle durstigen Seelen zu erquicken, zu laben – auch deine!

Und dann kommt der Bräutigam, die geschmückte Braut – voller Verzückung steht deine Seele da. Die Glocken läuten, die Orgel füllt den Raum, du schreitest fassungslos vor Glück zum Altar, dein Herz ist voll, übervoll – der wundervollste Moment, wenn die Braut den Schleier hebt und sich dir zuwendet, dich anlächelt – so wunderschön, so glücklich. Zum Weinen schön. Zum Küssen schön. So unbeschreiblich schön….

Von zwölf Perlen sind die Tore
an deiner Stadt, wir stehn im chore
Der Engel hoch um deinen Thron

Deine Seele singt, deine Seele ist selig – in diesem Moment. Bei Gott, so schaut es Johannes, dauert dieser Moment eine Ewigkeit. Ist die Ewigkeit.
Und ja, wer es glaubt wird selig.
Noch nicht für die Ewigkeit. Aber vielleicht doch immer wieder für einen kleinen Augenblick, wenn das himmlische Jerusalem hindurchblitzt durch die dunklen Wolken des Lebens mit all seiner Trauer und seinem Schmerz.

Gott spricht: ich mache alles neu und werde abwischen deine Tränen!
Ja, es ist ein Vision des Johannes, eine Utopie.
Aber wer sie glaubt, wird selig.
Denn sie hat schon jetzt verändernde Kraft. Die Aussicht auf diese neue Zeit lässt uns heute schon ausschauen nach ihr. So wie die Jungfrauen nach dem Bräutigam Ausschau halten – und Öllampe und Öl voller Vorfreude bereit halten.
Über unser Tun, über unsere Hoffnung,
über unseren Glauben und die Sehnsucht unserer Seele
verwebt sich die Ewigkeit mit dem Heute.

Denn
Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden heute in ihm leben
und auch sein in Ewigkeit

Amen

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Samstag, 21.November 2020

Heute vor 252 Jahren wurde in Breslau Friedrich Schleiermacher geboren.

Er lebte und wirkte in einer Zeit, die von der Aufklärung geprägt war – also (stark verkürzt) dem Rationalismus. Alles und jedes, auch die Religion musste sich radikaler Kritik unterwerfen, wurde in Frage gestellt und stand im Verdacht, reine Schwärmerei, Hirngespinst, zu sein. Nichts als die Vernunft zählte.

Doch die Gegenbewegung folgte auf den Fuß, konnte doch gerade Kants Zentrierung auf den Menschen als Mittelpunkt allen Denkens und Handelns die Welt in all ihren guten wie grausamen Facetten nicht befriedigend erklären.

Eine Welt ohne Religion war für Schleiermacher, den Pfarrerssohn, schlicht undenkbar und er zeigte das unmittelbare Erleben als “Brücke” zwischen rationaler Betrachtung und religiösem Gefühl auf – gerade auch über das Erleben der menschlichen Abhängigkeit von Dingen und Fügungen, die man NICHT selbst in der Hand hat.

Er nannte dies “schlechthinnige Abhängigkeit des Seins”. Es gibt den Punkt, an dem du bei aller Ratio, bei aller Selbstermächtigung, einsehen musst, dass die letzten Dinge nicht deiner freien Entscheidung unterliegen.

Ungefähr so hat sich wohl auch Elia am Horeb gefühlt – nur hat er es anders genannt. Er stand da und begegnete Gott – noch dazu in einer Gestalt, die allem Bisherigen, allen Erwartungen widersprach:
Gott ist im leisen, sanften Säuseln.

Wo stehst DU gerade und wirst von einem Hauch Gottes gestreift?

Wann hast DU das letzte Mal in den Sternenhimmel geschaut und gestaunt über das Universum und das große Ganze, in das DU eingebunden bist?

Du musst kein Wortungetüme wie Schleiermacher erfinden, um das zu beschreiben.

Es genügt ein einfaches

Amen.

Bleiben Sie behütet und wach für den leisen Luftzug, das kleine, aber helle Licht der Sterne!

Ihre Pfrn. Manja Pietzcker

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Donnerstag/Freitag 19./20.11.

“Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!” Psalm 34,9
“Kommt, alles ist schon bereit!” Lukas 14,17

Kommt ihnen dieser Text bekannt vor?
Mich hat es zuerst traurig gemacht, weil wir im Moment nicht regelmäßig Abendmahl feiern können.

Doch dann wurde mir klar, dass der Psalmbeter ja schwerlich unser Abendmahl vor Augen gehabt haben konnte. Lange vor Jesus schon war das gemeinsame dankbare Essen eine innige Verbindung zu Gott. Jeweils in den Kontexten, die es eben so gab.
Warum also sollte unser gemeinsames Mahl am Familientisch – ja sogar das alleine am Küchentisch – verbunden mit den vielen, die jetzt auch gerade vor ihrem Brot, Tee oder Kaffee sitzen.. und an den Herrn denken, nicht auch ein solches dankbares Mahl sein?!
Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist!
Wir dürfen satt werden – und wenn wir den Tisch liebevoll und mit Bedacht decken, so isst das Auge gleich noch mit!

Manchmal muss man sich das nur deutlich genug selber sagen – laut!
Probieren Sie es doch einmal aus:
Gott, von dem wir alles haben, wir danken dir für diese Gaben.
Lass mich verbunden sein mit allen, die auch gerade dankbar essen und trinken. Schenke uns deinen Geist. Schenke mir die Gewissheit, mit ihnen allen verbunden zu sein durch deinen Geist.

Amen

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Mittwoch, 18. November 2020 – Buß- und Bettag

Ha’azina elohim tvilati – Höre oh Herr, mein Gebet zu dir!

So beginnt ein israelisches Lied, das mir wieder und wieder als “Ohrwurm” ins Gedächtnis springt.
Gesungen haben wir es auf interreligiösen Begegnungen mit anderen jungen Gläubigen – und sie haben von ihren ganz speziellen Ritualen erzählt.

So auch von der rituellen Reinigung, die Juden als Vorbereitung auf das Gebet vollziehen.

Als wir dann in Jerusalem durch den Felsgang gewatet waren, der im Bad von Shiloah endet, endlich wieder ins Freie traten, ins Licht – und auch das Gesicht dort wuschen, da war tatsächlich alles in mir bereit zum Gebet.

Auch zum Dankgebet – denn der Tunnel ist lang, teilweise sehr eng – angsteinflössend eng.

Wir waren – ganz auf uns geworfen – in der Dunkelheit allein. Alle verborgenen Ängste stiegen hoch. Doch Wegrennen wäre gar nicht gegangen… Der Tunnel ist unbeleuchtet, du siehst nur so weit, wie deine Taschenlampe leuchtet und du musst aufpassen, dass du nicht stolperst… denn du läufst die ganze Zeit durchs Wasser.

Sauberere Füße hatte ich in den 2 Wochen Israel nie wieder. Und ich war auch selten so dankbar für diesen winzigen Schimmer Tageslicht, der am Ende des Tunnels aufblitzte. Dieser Lichtschimmer verhieß uns, dass wir gleich in diesem wundervollen sonnendurchfluteten steinernen Bad sein werden. Sich dort zu waschen, nennen die Juden übrigens Tevila – die Wortverwandheit zum tvilati (mein Gebet zu dir) kommt nicht von ungefähr.

Genau so stelle ich mir büßen und beten vor.

Alles abzuwaschen, was mich belastet – eben nicht davor wegrennen, sondern bewusst abwaschen – so wie man ja auch auf die schwarzen dreckigen Hände schaut, die man gezielt einseift, rubbelt, reibt – und dann mit frischem klaren Wasser abspült. Unter dem schmutzig grau verfärbten Seifenschaum tauchen dann blitzblanke Hände auf.

Übrigens heißt Tevila im modernen Hebräisch Taufe. Untertauchen.
Man kann es entweder in so einem rituellen Bad wie in Jerusalem – Mikveh – oder auch im Meer vollziehen. Nicht nur die Hände waschen (schon gar nicht mal eben schnell in Unschuld) – sondern untertauchen – sich ganz reinigen von allem Staub der Straße, des Alltags. Sich zu reinigen von allen Worten und Gedanken, die eine Staubschicht, Schmutzschicht hinterlassen – manchmal sogar schon verkrustet sind.

Und dann vor Gott zu treten. Ihm gegenüber zu stehen. Und zu lauschen. Auf die leisen Töne, zwischen den Zeilen, zu hören und zu lesen, wenn ich sein Wort höre.
Ich denke, das ist heute dran.

Ha’azina elohim tvilati!

Amen

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Dienstag, 17. November 2020

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Diese Liedzeile von Jochen Klepper steht heute unter dem Losungstext, den ich eigentlich erst nicht zum Thema machen wollte – “Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte” – so steht es in Jesaja 48
…. und wer zuckte nicht zusammen bei dem Wort “ausrotten”….
Eine Seuche ist immer tauglich, auch eine Population auszurotten.
Allerdings passiert das nie vollständig. Es gibt immer die Starken und Widerstandsfähigen, die eine Seuche überleben – sogar bei der eigentlich absolut tödlichen Afrikanischen Schweinepest gibt es eben die Wildschweine, die – warum auch immer – nicht daran sterben.

Aber ist eine Seuche Ausdruck des Gotteszorns? Oder doch eher der in der Schöpfung ganz normal angelegte Wechsel aus Auf und Ab, Geborenwerden und Sterben…. mit allen Licht- und Schattenseiten?

Und ja, Massentierhaltung begünstigt solche Szenarien (siehe Nerze in Dänemark) – ist also zumindest teilweise menschliche Schuld. Aber es gab auch Seuchen vor der Massentierhaltung.

Es ist eben nicht so einfach – do ut des (dir wird getan, wie du getan hast)…. so funktioniert die Welt leider nicht, so funktioniert auch unsere Beziehung zu Gott eben nicht. Er zahlt nicht mit gleicher Münze heim, er belohnt nicht direkt dein inniges Gebet.

Gott scheint, ohne dass wir es tatsächlich beeinflussen können, Prüfungen aufzuerlegen, aber auch Gutes angedeihen zu lassen.
Oder sogar: Unser weltliches Schicksal hat – wenn überhaupt – nur sehr indirekt mit dem Handeln Gottes zu tun.

Wie unsere Seele jedoch nach dem Tod vor Gott steht, da hat unser Glaube ein Wörtchen mitzureden – weil er die Gnade überhaupt in Betracht zieht, die Gott uns schenken kann. Ja, die er dem Glaubenden VERSPROCHEN hat.
Egal wie dunkel die Wegstrecke war, durch die ich gehen musste. Egal wie dunkel das war, was ich selber getan habe.

Wer könnte das besser auf den Punkt bringen, als Jochen Klepper – der trotz äußerer und innerer Dunkelheit doch an seinem Gott festhalten konnte. Der Gott immer wieder sich und anderen ins Gedächtnis, in die Seele singen konnte – und bis heute kann.

Die Nacht ist vorgedrungen
der Tag ist nicht mehr fern …..

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt!

DAS sollte die Schlagzeile des Tages sein.

Bleiben Sie zuversichtlich – mit dem Gesicht zum Licht gewandt!

Ihre
Manja Pietzcker

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Montag, 16.11.2020

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.
3. Mose 19,18

Nicht weniger als DAS Gebot wurde zum Start in die neue Woche ausgelost.

Die allseits geforderte Nächstenliebe – und ihr nicht wegzudenkendes Pendant: die Selbstliebe.

Das eine ohne das andere ist gar nicht lebbar: wenn ich zu mir selbst nicht gut sein kann, werde ich auch dem anderen wenig Zuwendung entgegenbringen können.
So wie eine Ärztin, der ich mehrfach begegnet bin: immer, wenn sie selber grad eine üble Grippe durchgemacht hatte, hatte sie für das Leiden der Patienten viel Verständnis. War jedoch die eigene Erkrankung lange genug her, schien sie vergessen zu haben, wie es sich anfühlt, so richtig krank und am Boden zu sein. Dann konnte es schon passieren, dass man mit einem “nun haben Sie sich nicht so” abgespeist wurde…
Das war kein böser Wille – es passiert einfach.

Umgekehrt kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es sich gut für einen selber anfühlt, wenn man mies mit seinen Mitmenschen umgeht. Du siehst die alte Dame bei Glatteis stürzen – und lässt sie liegen….?
Könntest du das überhaupt? Und wenn du es wg der Eile doch getan hast… Wie fühlt sich das an?
Eben.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst….
Liebe geht nur im Miteinander und Füreinander.

Dass Gott da seine Unterschrift drunter setzt, heißt für mich: so war das seit der Schöpfung, so ist es und so wird es immer sein.
Amen

Ich wünsche Ihnen heute offene Augen, Ohren und Herzen für die eigenen Bedürfnisse und die der Menschen um Sie herum.

Bleiben Sie behütet, liebevoll und geliebt!
Ihre Manja Pietzcker

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Sonntag, 15.11.2020
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
Micha 6,8

Wie passt diese Losung zum heutigen Predigttext (Lk 16,1-8) vom ungerechten Verwalter?
Vielleicht insofern, als auch in der Dreiecksgeschichte aus betrogenem reichen Besitzer, Verwalter und begünstigten Schuldnern sich die Prioritäten verschoben haben. Der Verwalter – dem gesagt wird, das Geld des Besitzers zu verschwenden, sei nicht gut – verwendet dessen Hab und Gut, um den Armen in der Geschichte etwas Gutes zu tun….. Und zugleich sich selbst. Denn die Beschenkten werden ihn in Zukunft nicht mehr als Verwalter des ungeliebten Besitzers, sondern als Freund und Verbündeten sehen.

Klug gehandelt, lautet denn auch das Urteil für seine “Ungerechtigkeit”.
Was wirklich “gut” ist, scheint vor Gott so manches mal doch ganz anders auszusehen, als in menschlichen Kategorien und Regelwerken.

Viel verlangt er eigentlich ja nicht: Liebe üben und demütig sein. Sein Wort halten… hieße ja zunächst, es zu verstehen

Immer wenn ich mit solchen Bibeltexten ringe, ist Demut das, was ich wieder und wieder neu zu lernen habe: Ich weiß nur, dass ich so gut wie nichts weiß von Gott.
Und bin dankbar für jeden Blitz, den mir sein Geist hier und da schickt – eine leise Ahnung von Verstehen…

Heute bleibt für mich: was gut ist, hat nichts oder nur sehr wenig mit dem “Gut” dieser Welt zu tun… und etwas sauber zu verwalten ist nicht der Weisheit letzter Schluss… Wir sollten viel häufiger verschenken und uns um Beziehungen statt korrekte Abrechnungen kümmern 😉

Bleiben Sie behütet!
Ihre Manja Pietzcker

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Sonnabend, 14.11. Pfadfinderandacht in der Kirche

Wir haben noch einmal auf Martin von Tours geschaut – und entdeckt, wieviel von seiner Idee des Teilens und der Friedensliebe in den Regeln der Pfadfinder steckt.

Darum hier das Martinstagsgebet 2020:

Du Freund der Armen und der Kinder,
Jesus Christus.
Dein Licht wollen wir in die Welt tragen,
wie Martin.
Die Augen wollen wir offenhalten,
wie Martin.
Auf die Liebe hören und teilen,
wie Martin.

Wir ziehen in diesem Jahr nur in kleinen Gruppen durch die Straßen.
Wir singen in diesem Jahr jeder für sich.

Trotzdem bitten wir dich wie in jedem Jahr:
um Freude für die Kinder,
um Brot für die Hungernden,
um Wärme und Sicherheit für die Obdachlosen,

um Heilung für die Kranken,
um Hoffnung für die Ängstlichen
und um Frieden für diese Welt.

Du machst uns Mut,
dein Licht in die Welt zu tragen.
Geh mit uns mit – auch in diesem Jahr.
Amen.
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Freitag der Dreizehnte (November 2020)

Ich bin nicht abergläubisch – aber spätestens an so einem Datum sollte es wohl so ein:
Es geht wieder los… das tägliche Schreiben, weil so viele Treffen nicht stattfinden können.
Dabei wird die Arbeit irgendwie trotzdem nicht weniger – Andachten müssen entworfen werden, wo vorher einfach ein fröhliches lockeres Treffen geplant war… Ticketsysteme für die Weihnachtsvespern werden geplant und programmiert, damit nicht am 24.12. 3/4 aller Leute draußen stehen bleiben, weil die Kirche schon voll ist… Ganz neue Formate entstehen – aber werden sie angenommen? Werden beispielsweise die Konfis sich drauf einlassen, mal eine Weile, nur mit “Einzelcoaching” betreut, allein auf die Glaubensreise zu gehen und ein kreatives Projekt zum Glaubensbekenntnis zu gestalten? Wird es zu schaffen sein, statt 1x 90 min Gruppe alle einzeln zu begrüßen… ?
Ja – ich wünschte, es würde alles “normal” laufen…. Aber meine Wünsche zählen nicht – sondern nur die Zahlen….
Ach – und wer weiß, was die Not, die bekanntlich erfinderisch macht, noch alles hervorbringt. So manches vom Frühjahr war eine echte Entdeckung und wird wahrscheinlich auch in “normalen” Zeiten weiter genutzt werden – weil es einfach eine gute Idee war. Wir werden sehen. Wir werden es erleben. Und das ist das Wichtigste: Dass wir, dass SIE ALLE gesund und behütet bleiben und gut durch diese ver-rückten, aus den normalen Schienen gesprungenen, Zeiten kommen.

Gott ist bei uns – egal, wie die Zahlen aussehen, egal welches Datum wir haben….
Er spricht: Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.
Jesaja 44,3

Bleiben Sie gesund!
Gott segne Sie!
Ihre Pfrn. Manja Pietzcker

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